Patrozinium am 29. September
St. Michaelskirche

In der Beda Weber-Gasse, am ehemaligen Verbindungsweg von der Römerstadt Aguntum zur Siedlung um St. Andrä, befindet sich die erstmals anno 1308 in einer Urkunde erwähnte Filialkirche St. Michael.

Da ohne eigentliche Zweckbestimmung, konnte der Ritter Virgil von Graben das Gotteshaus als Begräbniskirche für sich, seine Familie und anverwandte Geschlechter vorsehen.

Der Bau des Langhauses wird mit den Baumeistern Andreas und Bartlmä Viertaler (Fiertaler) aus Innichen (heute Südtirol) in Zusammenhang gebracht.

Am 3. März 1980, nahm der „Verein zur Restaurierung und Renovierung der St. Michaelskirche am Rindermarkt in Lienz“ seine Tätigkeit auf. Nach Neueindeckung von Kirche und Turm, folgte 1981 mit der Trockenlegung der Fundamente der Beginn der Außenrestaurierung. Nach umfangreichen Arbeiten im Innenraum wird St. Michael, historisches und kunstgeschichtliches Denkmal am Rindermarkt in Lienz, unterstützt durch reiche Spenden von Stadt und Bevölkerung, am 2. Oktober 1983 wiedereröffnet.

 

Predigt Engel im Altarraum der Michaelskirche Lienz beim Patroziniumsgottesdienst am 28.9. 2019         Lesung: Genesis 21,9-21; Evangelium: Johannes 1,47-51

Festliche Gemeinde heute am Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Raphael! Festliche Gemeinde heute am Namenstag der Michaelskirche!

„Jede Kirche ist ein Ort des Gebetes und der Stille, ein Raum, in dem wir im Dialog mit Gott leben dürfen. Wenn du ihn in deinem Leben bereits getroffen hast, dann bete und danke; wenn du ihn aber suchst, rufe zu ihm und mach dich bereit, ihn im Leben wirken zu lassen! Öffne dein Herz und deine Gedanken für die Begegnung mit ihm!“

Diese motivierenden Worte habe ich vor Jahren in einer Kirche in Sterzing gelesen. Sie mögen auch für unsere Michaelskirche und für alle Kirchen hier in Lienz gelten.

Eine Besonderheit der Michaelskirche ist sicher das inhaltliche Programm, das in der Gestaltung des Altarraumes zum Ausdruck kommt. Es zahlt sich aus, diesen immer wieder und immer wieder neu zu betrachten. Der Altar hat drei Ebenen, die drei engelhafte Zugänge zum Leben aufzeigen.

Biblische Bildtafeln als Fundament

Am Fuß des Altars sind links und rechts zwei große Bildtafeln, die biblische Ereignisse darstellen. Beide sind im 1. Buch der Bibel beschrieben:

Da sehen wir links, wie ein Engel zu Hagar kommt und sie ermutigt (Genesis 16,7-17).

Was war geschehen? Hagar, die Magd Abrahams, war mit ihrem Sohn Ismael in die Wüste geflüchtet, nachdem es zum Streit zwischen ihr und Sara, der Ehefrau des Abraham, kam. Nachdem Sara lange Zeit keine Kinder bekommen konnte und auch kein Kind mehr zu erwarten hatte, gebar Hagar für sie einen Sohn, den Ismael. Ihre Herrin Sarah wurde eifersüchtig und behandelte sie so lange entwürdigend, bis sie abhaute.

Was macht der Engel? Er zeigt Hagar eine Wasserquelle, damit sie und ihr Sohn Ismael nicht verdursten müssen, und spricht ihr Mut zu: Auch dein Sohn wird Sohn eines großen Volkes werden.

Die rechte Tafel schildert ein Ereignis zwischen Abraham und seinem zweitgeborenen Sohn Isaak (Genesis 22): Abraham glaubt, den Sohn an Gott opfern zu müssen und ihm damit die höchste Treue zu beweisen. Doch ein Engel Gottes hält ihn davon ab, seinen Sohn zu töten, und zeigt auf einen Widder, den er opfern soll.

Drei Erzengel Michael, Gabriel und Raphael

Im Zentrum des Altars sehen wir drei große Statuen der Erzengel Michael, Gabriel und Raphael. Diese Engel sind kraftvoll und stark dargestellt.

  • Raphael (rechts) hat einen Fisch in der Hand: Als Begleiter des jungen Tobias rettet er ihn in vielen Gefahren, u.a. beim Überqueren eines Flusses, als ein Fisch den Fuß des Knaben verschlingen wollte (Tob 6,1-9) Mit der Galle des Fisches wird Tobias später seinen blinden Vater heilen.
  • Michael steht zentral in der Mitte. Im Bogen über dem Kopf lesen wir die Worte „Quid es ut Deus“, Das ist die lateinische Übersetzung des hebräischen Wortes „mi-cha-el“ und heißt übersetzt: „Wer ist wie Gott?“ Michael wird oft mit einem Drachen dargestellt, hier fehlt er. Es gibt die Erzählung, dass eine fromme Pfarrhausfrau den grausigen Drachen entfernt und eingeheizt hat. Michael gilt als der Engel, der beim Weltgericht auftritt
  • Gabriel (li) ist mit der Lilie dargestellt: Der Engel Gabriel ist in der Bibel jener Engel, der große Botschaften bringt. Er überrascht u.a. den alten Zacharias, dass Zacharias und Elisabeth noch Eltern werden. Er überrascht die junge Maria, dass sie die Mutter des Herrn werden soll.

Statuen auf der obersten Ebene: Glaube – Hoffnung – Liebe

Blicken wir noch auf die Statuen auf der obersten Ebene. Dort sind Engel dargestellt, die einen Anker, ein Kreuz und ein Herz in der Hand haben.

Der Anker steht für die Hoffnung.

Das Kreuz drückt den Glauben aus.

Das Herz symbolisiert die Liebe.

Auch am Hochaltar in St. Andrä sind unterm Lamm drei Engel mit den drei Symbolen für Glaube, Hoffnung und Liebe.

Enthält dieser Aufbau nicht eine hilfreiche Botschaft:

Gott ist ganz nahe am Leben und Leid der Menschen, sogar dort, wo es Eifersucht und Intrigen gibt. Davon erzählt die Bibel.

Gott verlässt die Welt nicht. Michael, Gabriel und Raphael zeugen davon.

Und Gott lädt uns ein, mit Glauben, Hoffnung und Liebe unser Leben zu gestalten.