Predigt Christliche Logik. Fest der Taufe Jesu 2026
Description
Predigt Christliche Logik. Fest Taufe Jesu 11. Jänner 2026
Evangelium: Matthäus 3,13-17
„Warum sollen wir beten?“ Auf diese wichtige Frage antwortet ein Kirchenvater aus dem 3. Jahrhundert: „Ganz einfach: Weil Jesus gebetet hat. Wir tun das, was Jesus getan hat. Das ist immer richtig!“
In dieser für mich einleuchtenden Logik möchte ich anfügen:
Weil Jesus Vertrauen in die Menschen hatte, will auch ich Vertrauen üben.
Weil Jesus vergeben hat, will auch ich vergeben.
Weil Jesus ein liebender Mensch war, will auch ich die Liebe wagen.
Weil sich Jesus für andere eingesetzt hat, will ich das auch tun.
In dieser Logik möchte ich auch die Taufe begründen: Weil Jesus getauft wurde und sich taufen ließ, ist für uns alle die Taufe ein Geschenk und eine Chance. Der Blick auf das heutige Evangelium von der Taufe Jesu zeigt für mich sehr schön, welches Geschenk und welche Chance die Taufe enthält. Drei Elemente möchte ich herausgreifen.
Jesus reiht sich in die Reihe der Menschen ein
Jesus kommt zum Jordan, um sich in die Reihe der Menschen einzureihen, die von Johannes die Taufe der Buße und Umkehr empfangen. Jesus will einer von ihnen sein. Er sagt nicht: Ich habe Buße und Umkehr nicht notwendig, ich bin ja nicht wie diese fehlerhaften Menschen. Nein, er behandelt die Menschen nicht von oben herab und reiht sich ganz selbstverständlich in ihrer Reihe ein.
Taufe heißt demnach: Als getaufter Christ und getaufte Christin suche ich den Kontakt zu den Menschen und bin ein Teil der Welt. Ich kapsle mich nicht ab, weder als Einzelperson, noch als Gruppe noch als Pfarre und Kirche. Pfarre und Kirche sind dazu da, die Begegnung zu suchen und zu wagen.
Jesus sagt: Lass es nur zu
Johannes betont zurecht, dass nicht er den Jesus, sondern eigentlich Jesus ihn taufen sollte. Jesus überzeugt ihn mit den Worten: „Lass es nur zu!“
In diesen Worten zeigt sich die Grundhaltung, dass ich vertrauensvoll manches an mir geschehen lassen darf, sogar das, was ich zunächst nicht verstehe. Ich kann und muss nicht alles selber gestalten, tun und leisten.
Bei Fahrten ins Hl. Land habe ich am Jordan einige Taufen und Tauferneuerungen von Erwachsenen mitten im Jordanfluss miterlebt. Beeindruckend war für mich, dass sich die Taufbewerber nach Hinten ins Wasser hineinfallen ließen. Das benötigt etwas Mut und Vertrauen, dass ich aufgefangen und gehalten werden. Taufe hat auch viel mit Vertrauen zu tun. Ich lasse zu, dass Gott an mir wirkt. Ich lasse mich in die Gnade Gottes hineinfallen.
Die Stimme Gottes sagt: Du bist mein geliebter Sohn
Bei der Taufe Jesu sagt die Stimme Gottes: Du bist mein geliebter Sohn. In dieser großen Zusage zeigt sich zunächst eine Verbindung zum Fest Epiphanie, das wir vor einigen Tagen am 6. Jänner gefeiert haben: Es leuchtet und strahlt auf, wer Jesus ist.
In der Taufe sagt Gott jedem Kind zu: Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter. Ist das nicht wunderbar? Fast bei jeder Taufe denke ich mir: Wie würde die Welt ausschauen, wenn wir Menschen dies mehr glauben könnten. Ein wertvoller Tipp für den Altar besteht für mich darin, mir immer wieder bewusst zu werden, dass mein Gegenüber, dem ich begegne und über den ich mich vielleicht gerade ärgere, ein geliebter Sohn und eine geliebte Tochter Gottes ist. Das verändert die Wahrnehmung und hoffentlich auf das Benehmen.
Taufe ist viel mehr als ein schönes Fest. Sie hat eine motivierende und bestärkende Botschaft. Sie zeigt die christliche Logik.
Details
- Date: 11. Januar 2026
- Preacher: Franz Troyer
- Passage: Matthäus 3,13-17