Predigt Selig oder doch nicht selig
Description
Predigt Selig oder doch nicht selig
Evangelium Seligpreisungen Matthäus 5,1-12, 1. Feber 2026
Die Seligpreisungen Jesu. Oft bei Gottesdiensten gelesen und bei Diskussionen zitiert. Oft gehört und oft überhört. Ich möchte heute vier Vergleiche bringen, die mir persönlich wichtig geworden sind, um die Seligpreisungen zu verstehen und in ihrem Geist zu leben.
Die Seligpreisungen sind wie Sterne am oft finsteren Himmel dieser Welt.
Ein Sternenhimmel ist faszinierend. Er lädt zum Staunen und Verweilen ein.
Der Blick in den Sternenhimmel schult uns, die Sterne zu sehen und nicht über das Dunkle zu jammern. Es ist ja auffällig. Am Sternenhimmel ist flächenmäßig viel mehr dunkel und trotzdem kommt niemand auf die Idee zu sagen: Schau, alles schwarz und dunkel.
So laden auch die Seligpreisungen ein, leuchtende Sterne im Leben zu sehen und nicht nur über schwierige Menschen zu schimpfen. Das gilt täglich ganz konkret: Sehe ich nur das Schlimme oder habe ich auch einen dankbaren Blick für das Gute?
Die Seligpreisungen sind das Eingangsportal zur großen Bergpredigt Jesu.
Die Bergpredigt Jesu beginnt mit den Seligpreisungen. Genau in der Mitte der Bergpredigt steht das Vaterunser. Die Bergpredigt endet mit dem Gleichnis vom Haus auf dem Felsen. Die Motivation, das Übel an der Wurzel zu fassen, und die Goldene Regel sind weitere wichtige Teile der Bergpredigt: Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen. (Matthäus 7,12)
Manchmal sagen Leute: „Es ist unmöglich, ganz nach der Bergpredigt zu leben.
Das schafft niemand.“ Einige ergänzen: „Einzig Jesus hat es geschafft.“
Das stimmt. Und gleichzeitig wollen die Seligpreisungen und die Bergpredigt eben wie Sterne uns den Weg weisen in der oft dunklen Nacht. „Ideale sind wie Sterne. Man erreicht sie nie, aber man kann sich nach ihnen orientieren,“ sagt zurecht ein Sprichwort.
Die Seligpreisungen entführen nicht in eine Scheinwelt, sondern ermöglichen eine bessere Welt.
Die Worte der Seligpreisungen sind kein frommes Beruhigungsmittel, das in eine heile Scheinwelt lockt. Sie sind sehr realistisch und sprechen auch herausfordernde Situationen an:
Da ist die Rede von Trauer und dem Wissen, dass viele Menschen viel und allzu viel mitmachen müssen.
Da ist sogar die Rede von Verfolgung und dem Wissen, dass der Einsatz für Glauben und Gerechtigkeit oft Nachteile mit sich bringt, nicht nur früher, sondern auch heute.
Die Seligpreisungen laden ein, an einer besseren Welt mitzuarbeiten und nicht nur für sich allein eine heile Scheinwelt zu suchen. Wir sehen: Selig meint nicht sorglos oder ohne Probleme oder einfach easy und einfach happy.
Die Seligpreisungen zeigen die Logik: Wie Gott mir, so ich dir.
Im Blick auf die Seligpreisungen fallen uns zunächst die großen menschlichen Tugenden ein, die genannt werden: Frieden stiften, ein reines Herz haben, Hungern und Dürsten nach Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Sanftmütig und einfühlsam mit Trauerden zu sein.
Das stimmt. Aber die Pointe und Begründung der Seligpreisungen liegt jeweils im zweiten Teil des Satzes, im Blick darauf, was Gott tut:
denn ihnen gehört das Himmelreich.
denn sie werden getröstet werden.
denn sie werden das Land erben.
denn sie werden gesättigt werden.
denn sie werden Erbarmen finden.
denn sie werden Gott schauen.
denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.
Aus Ehrfurcht vor Gott hat man im Judentum den Namen Gottes nicht ausgesprochen und sein Handeln meistens durch Passivformulierungen umschrieben. Sie werden getröstet werden heißt eigentlich: Denn Gott wird sie trösten.
Die Logik ist klar: Wie Gott mir, so ich dir.
- Weil Gott trösten, können auch wir trösten.
- Weil uns Gott das Himmelreich vererbt, können wir sanftmütig sein.
- Weil Gott uns sättigt, ist der Hunger und Durst nach Gerechtigkeit wichtig.
Weil Gott so handelt, bin auch ich dazu fähig.
Diese Woche war im Bildungshaus Osttirol ein Vortrag von Regina Polak zum Thema „Was glaubt Österreich?“ mit dem Untertitel: „Religion, Christentum und Armut. Überlegungen zum Einfluss von Religiosität auf die Einstellung zu armen Menschen.“
Wenn ich die Studie von Regina Polak richtig verstehe, dann zeigt sich derzeit in Österreich, dass immer weniger Menschen aus einer religiösen Motivation heraus handeln. Das Argument „Weil es Jesus getan hat“ oder „Weil ich in den armen Menschen Christus ganz besonders begegne“ wird immer schwächer.
Das ist schade, weil damit die Motivation wegfällt, die in allen Krisen zählt.
Wie Gott mir, so ich dir. Wie Jesus mir, so ich dir.
Ich finde diese Logik so schön und hilfreich.
Sie ist auch die Logik der Seligpreisungen.
Details
- Date: 31. Januar 2026
- Preacher: Franz Troyer
- Passage: Matthäus 5,1-12