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Predigt Begräbnis Jos Pirkner am Sa 21. März 2026 in Lienz St. Andrä

Lesung: Vom Töpfer – Jeremia 18,1-6; Evangelium: Barmherzige Samariter Lk 10,25-37

 

Jos Pirkner hat viele Spuren hinterlassen, mit seinen Kunstwerken und durch Begegnungen, bei denen er meist so richtig sprühte und leuchtete. Ich bin froh, dass ich ihn in den letzten Jahren oft treffen durfte, zuletzt am 2. Dezember 2025 am Tag seines 98 Geburtstages und im letzten Monat bei den wöchentlichen Besuchen im Krankenhaus. Jos Pirkner hat Spuren hinterlassen, sichtbare und unsichtbare.

 

So möchte ich heute beim Begräbnis die Kunstwerke sprechen lassen, die er hier für die Pfarrkirche St. Andrä, im Stiegenhaus des Rotkreuzgebäudes Lienz und am Friedhof geschaffen hat. Sie haben einen zeitlosen Wert.

 

Menschen als Türöffner – die Apostel Petrus und Andreas am Portal

Ich starte beim großen Eingangsportal in unsere Pfarrkirche (gestaltet 1969).

 

Zwei Menschen dienen hier als Türöffner. Es sind die beiden Brüder und Apostel Petrus und Andreas, Petrus mit dem Schlüssel und der Fischer Andreas mit einem Fisch in der Hand. Wunderbar: Um die Tür zu öffnen, greife ich den Schlüssel des Hl. Petrus an. Kleines Detail. Die Tür lässt sich in der Andreaskirche nicht anhand des Hl. Andreas öffnen, sondern mit dem Schlüssel des Hl. Petrus. Dies erzählt von der Bescheidenheit des Hl. Andreas und seiner Grundhaltung, anderen gerne zuzuarbeiten. Es braucht Menschen als Türöffner und die Fähigkeit, anderen zuzuarbeiten. Eine wichtige Botschaft unserer Türen hier in St. Andrä.

 

 

 

Friedenstaube und Greifvogel an den Seitentüren –  Gewalt und Versöhnun

 

Das Hauptportal in St. Andrä ist vielen vertraut. Weniger bekannt sind die beiden Seitentüren. Hier wird links gezeigt, wie die Gebeine des Hl. Andreas in Konstantinopel gewaltsam entwendet werden, um sie nach Rom zu bringen. Auf der rechten Seitentür sehen wir, wie Papst Paul VI im Jahr 1964 die Gebeine an den griechisch orthodoxen Patriarchen Athenagoras I zurückgibt (Gestaltung der Türen 1969)

 

Spannend und symbolträchtig finde ich die Darstellung an der Innenseite dieser beiden Türen. Hier sehen wir links bei der Tür des Raubes einen Greifvogel und auf der rechten Seite die Friedenstaube. Die Botschaft ist klar: Wer sich einfach nimmt, was er möchte, ist wie ein Greifvogel. Wer das Miteinander und die Versöhnung sucht, ist wie eine Friedenstaube. Friede und Gewalt, Kraft und Ohnmacht: Das sind Erfahrungen, die in unserer Welt prägend sind. Öffnen wir bitte Friedenstüren, täglich neu!

 

Nahrung für Leib und Seele– Altar in St. Andrä

 

Ich komme zum Altar hier in unserer Pfarrkirche. Ich bin froh, dass an der Vorderseite des Altars die Brotvermehrung dargestellt wird. Wir sehen, wie der Apostel Andreas und ein kleiner Bub einen Korb mit Brot und Fischen zu Jesus bringen. Dieser verwandelt die Gaben in Nahrung für viele, damals und heute. Wir sehen die Verbindung zur Hl. Messe und zur alltäglicher Mahlgemeinschaft. Wir ahnen, wie wichtig Nahrung für Leib und Seele ist. so viele Menschen müssen Hunger leider. Der Hunger der Seele ist oft nicht sofort sichtbar, aber genauso schlimm.

Ich bete sehr gerne folgendes Tischgebet:  Gott, wir brauchen Nahrung für Leib und Seele. Wir danken dir, dass du uns beides gibst. So segne das Essen, so segne das Miteinander unter uns Menschen. Lass uns gegenseitig zur Nahrung werden.

 

 

Barmherzige Samariter – Rotes Kreuz Lienz

Im Stiegenhaus von Roten Kreuz in Lienz hat Jos Pirkner ein Bild gemalt, das den barmherzigen Samariter darstellt. Vergrößert sehen wir es hier in unserer Kirche. Das Bild zeigt als Reittier ein Pferd, wohl ein Lieblingstier von Jos. Die Bibel spricht einfach von einem Lasttier. In der Mitte sehen wir drei Personen. Eine Person liegt oben am Pferderücken. Der barmherzige Samariter hat sie gerade hinaufgehoben und stützt sie, damit sie nicht herunterfällt. Rechts vom Samariter sehen wir eine dritte Person, die nicht ganz zuzuordnen ist. Sie hat die Hände verschränkt. Der Rücken und der Kopf sind klar erkennbar. Die Füße verschmelzen sich fast mit dem barmherzigen Samariter. Schade, dass ich mit Jos Pirkner nie über dieses Bild geredet habe. So hier nur einige Vermutungen meinerseits:

 

Oft sind wir Helfende, oft nur Zuschauer mit verschränkten Händen, die womöglich alles besser wissen, aber nichts tun. Im Bibeltext ist ja auffällig, dass sowohl der Priester als auch der Levit den Verletzten sehen, aber trotzdem nicht helfen. Sie sind nur mit sich selbst beschäftigt. Wunderbar die Pointe im Bibeltext: Jesus dreht die Eingangsfrage der Schriftgelehrten „Wer ist mein Nächster?“ am Ende um und fragt: „Wer hat sich dem Verletzten als Nächster erwiesen?“ Man kann ein ganzes Leben diskutieren, wer mein Nächster ist und nichts tun. Bei der Frage, wem ich mich als Nächster erweise, geht das nicht. Da wird die Nächstenliebe konkret.

 

 

Auferstehung heute – Grabstein der Familie Pirkner am Friedhof Lienz

Als letztes Kunstwerk möchte ich das Familiengrab von Jos sprechen lassen, in dem seine Eltern Filomena und Aegidius und seine geliebte Joke begraben sind. Wir hören dazu einige Worte von Jos Pirkner, die ich am19. März 2021 aufnehmen durfte.

 

Gedanken zum Familiengrab im Buch „Schauen und Staunen. Die Bibel entdecken in Osttiroler Kunstwerken“, Seite 189-192:

Jos Pirkner sagte zu mir im Blick auf sein Familiengrab: „Ich bin Bildhauer

und kein Philosoph. Gott existiert für mich und mein Verhältnis zu ihm erklärt

vielleicht am besten die Figurengruppe auf unserem Familiengrab. Sie entstand nach dem Tod meines Vaters. Meine Zweifel, meine Betroffenheit und meine Hoffnung haben diese Arbeit geprägt. Hoffnung, deren Wurzel im Glauben liegt.“

In der Mitte der großen Bronzeplastik sehen wir Jesus Christus. Er streckt die Arme zum Himmel empor, sein Gesicht schaut bereits hinein ins göttliche Licht. Das Grab, aus dem Jesus als der Auferstandene herausspringt, hat die Form einer geöffneten Kugel. Diese erinnert an die Weltkugel und an ein Osterei. Die geöffnete Kugel drückt für mich die große Botschaft aus, dass Jesus mit der Auferstehung die Grenzen dieser Welt gesprengt hat. Wie aus dem Ei das Küken hervorschlüpft, so ersteht Jesus zu neuem Leben und macht unsere Welt zu einer österlichen Welt.

Die dicke Betonmauer des Todes ist aufgebrochen wie die geöffnete Weltkugel am Grab. Sie lässt sich nicht mehr schließen. Dass wir Menschen ganz verschieden mit Leid und Tod und den Fragen des Lebens umgehen, zeigt sich tagtäglich. Jos Pirkner schildert am Grabstein sowohl den Schmerz als auch die gläubige Hoffnung. Links vom Auferstandenen sehen wir eine Gruppe von vier trauernden Menschen. Zwei umarmen sich und trösten sich gegenseitig, ihre Köpfe sind gesenkt und ihr Rücken gekrümmt. Die dritte Person in ihrer Reihe schaut zu Boden. Sie hält mit einer Hand ein Kind fest, das wegrennen möchte. Alle diese Erfahrungen sind uns bekannt.

Auf der rechten Seite des Grabsteines erblicken wir eine Gruppe von vier Glaubenden. Ihre Blicke sind bereits erhoben und voll Erwartung auf den Auferstandenen gerichtet. Man erkennt ihr Staunen und ihre Freude. Eine der vier glaubenden Personen ist absichtlich als nachdenkend dargestellt. Sie stützt mit der Hand ihr Gesicht und möchte mehr wissen. Die Botschaft dieser Figur ist heilsam und beruhigend: Genaues Nachfragen bildet keinen Gegensatz zum Glauben, sondern ganz im Gegenteil: Für einen gesunden und auch widerstandsfähigen Glauben benötigt es den Verstand und das Nachforschen. „Glaube und Zweifel sind Zwillinge“, meinte einmal Bischof Reinhold Stecher.

Details
  • Date: 21. März 2026
  • Preacher:
  • Passage: Lukas 10,25-37