Predigt 100 Jahre Kerschbaumer Alm. Psalm 8 und David Steindl Rast
Description
Predigt 100 Jahre Kerschbaumer Alm
Psalm 8 und David Steindl Rast; 6.9.2026
„In den Wirren der letzten Kriegstage flüchtete mein Vater dann zu Fuß von Wien nach Lienz und fand dort für viele Jahre sein Zuhause. Durch seine Vermittlung wurde ich als halbverhungerter Halbwüchsiger im argen Hungersommer nach dem Krieg vom Kerschbaumer Bauern aufgenommen und durfte auf der Kerschbaumer Alm die Schafe hüten und mich dafür an Sterz sattessen. In der großen Stille der Bergwelt hoch oben in den Dolomiten ist in jenem Sommer vieles in mir gereift, was für mein ganzes späteres Leben entscheidend wurde.“ (David Steindl Rast im Interview Dolomitenstadt 2020)
So die Worte vom berühmten Mönch David Steindl Rast, der vor kurzem 100 Jahre alt geworden ist. Er wurde am 12. Juli 1926 in Wien geboren. Er wanderte in die USA aus und wurde dort 1953 Benediktinermönch. Er ist weltweit bekannt als spiritueller Lehrer, Autor und Vortragsreisender. Seit 2010 lebt er in Österreich im Europaklosters Gut Aich.
Wir sehen, die Kerschbaumer Alm und die Arbeit als Hirte haben nicht nur viele hier in Osttirol geprägt, sondern auch einen der berühmtesten Mönche, der noch dazu gleich alt ist wie die Kerschbaumer Alm.
Zu seinem 100. Geburtstag ist ein Buch erschienen mit dem Titel „Worauf es letztlich ankommt. 100 Fragen – 100 Antworten“. Es wäre spannend einiger der Fragen mit ihm hier auf der Kerschbaumer Alm zu diskutieren?
Bruder David, warum bist du Christ (27)
Meine Religion ist Begegnung mit der Natur – genügt das? (12)
Sind die sogenannten Gipfelerlebnisse mystische Erfahrungen? (20)
Kann Mystik die soziale, wirtschaftliche und politische Ordnung beeinflussen? (23)
Was ist eigentlich dieses „große Geheimnis“ Gott (29)
Können wir persönlich erleben, dass das „Geheimnis“ zu uns spricht? (34)
Warum soll es notwendig sein, an Gott zu glauben (64)
Wie kann Jesus „Sohn Gottes“ sein (42)
Hilft dir dein Beten, mit dem Unheil in der Welt umzugehen? (91)
Ich möchte euch diese Fragen mitgeben und mit Psalm 8 antworten, den wir heute als Lesung gehört haben. Keine Ahnung, ob David Steindl Rast als Jugendlicher den großen Psalm schon kannte. Seine Aussage und große Botschaft hat er auf jeden Fall hier schon geatmet.
Psalm 8
Psalm 8 lädt ein, ein staunender Mensch zu sein und über die Herrlichkeit des Schöpfers und die Würde des Menschen zu staunen. Da wird man richtig mitgerissen.
HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde,
der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel.
Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge hast du ein Bollwerk errichtet wegen deiner Gegner, um zum Einhalten zu bringen Feind und Rächer.
Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger,
Mond und Sterne, die du befestigt:
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott,
du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände,
alles hast du gelegt unter seine Füße:
Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere,
die Vögel des Himmels und die Fische im Meer,
was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.
HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!
Es ist so wichtig, dass wir staunende Menschen sind. Mensch, du hast von Gott her einen unendlichen Wert, den dir niemand nehmen kann. Diese Würde, die uns Gott am Beginn des Lebens als Startkapital mitgibt, bildet das stabilste Fundament, unseren eigenen Weg mutig zu gehen. Wer bin ich, dass du Gott meiner gedenkst und dich meiner annimmst?
Stop / look / go
David Steindl Rast denkt in seinen Vorträgen oft darüber nach, wie wir das Staunen und die Offenheit für das „Geheimnis“ Gott üben können und nicht verlernen. Im Interview mit der Dolomitenstadt gibt er folgenden Tipp:
Als beliebtester Tipp hat sich eine Merkhilfe eingebürgert. Sie besteht aus drei englischen Wörtern, die man Kindern einprägt, wenn sie lernen, an einer Kreuzung ohne Verkehrsampel gefahrlos die Straße zu überqueren: «stop / look / go!» — innehalten / rechts und links schauen / und dann rasch machen, bevor die Verkehrslage sich ändert. Aufs Üben von Dankbarkeit übertragen, bedeutet das: innehalten, denn sonst läufst du an der Gelegenheit vorbei, die dieser Augenblick dir schenkt; / Ausschau halten nach der Gelegenheit, die du ergreifen willst; / und sie dann auch wirklich beim Schopf packen, denn im nächsten Augenblick kann sich die Lage schon ändern.
David Steindl Rast beobachtet im Blick auf uns Menschen wohl zurecht, dass wir selten innehalten oder wie Schlafwandler durch die Gegend laufen. Oft werden wir erst wachgerüttelt, wenn etwas Unangenehmes daherkommt.
Ort wie die Kerschbaumer Alm laden ein, inne zu halten und zu staunen. Die Worte von Psalm 8 kommt hier automatisch. Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Details
- Date: 6. September 2026
- Preacher: Franz Troyer
- Passage: Psalm 8