Predigt. Die Bibel vernetzt. Bibelsonntag 2026
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Predigt Die Bibel vernetzt. Bibelsonntag 2026
Evangelium: Matthäus 4,12-23
Ich habe hier in meiner Hand ein einfaches Netz. Wir sehen die Schnur und die Knoten und den Abstand zwischen den Knoten. Bei einem Netz ist wichtig, dass der Abstand passt und keine Löcher sind. Wenn der Abstand zu groß ist, dann können die gefangenen Fische wieder abhauen. Ein Schutznetz mit zu großem Abstand gibt keinen Halt, man fällt durch. Wenn ein Netz hingegen zu klein und zu eng geknüpft ist, dann klappt vieles auch nicht. Dann ist es kein Netz, sondern eine Wand. Dann wird es eng.
In den letzten Tagen kam mir im Blick auf das heutige Sonntagsevangelium, beim dem Jesus die Fischer Petrus und Andreas, Johannes und Jakobus beruft, der Gedanke: „Die Bibel ist wie ein Fischernetz“. „Die Bibel vernetzt.“
Ich bin überzeugt: Die Bibel kann uns heute helfen, Netze zu bilden und zu spannen. Es ist so wichtig, dass das Netz des Glaubens hingeworfen wird in die Welt und vielen Menschen Halt gibt ohne eng zu werde.
Ich möchte heute am Bibelsonntag fünf Knoten herausgreifen, wie die Bibel beim Vernetzen hilft.
Die Bibel vernetzt mit Jesus
Ich bin überzeugt:
Die Bibel hilft uns, Jesus besser kennen zu lernen. Sie vernetzt mit Jesus.
Die Bibel hilft in Worte zu fassen, wer Jesus ist: Heute erfahren wir etwa, dass er Licht bringt, dass er heilt und mit Menschen unterwegs.
„Die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen.“ So sagt der Heilige Hieronymus, der am Beginn des 4. Jahrhunderts die Bibel vom Griechischen ins Lateinische übersetzt hat.
Eines meiner Lieblingstagesgebet bei der Hl. Messe lautet:
Gott, in Jesus von Nazareth hast du der Welt den neuen Menschen gegeben.
Wir danken dir, dass wir ihn kennen dürfen, dass sein Wort und Beispiel
in dieser Stunde unter uns lebendig wird.
Öffne uns für seine Gegenwart. Rühre uns an mit seinem Geist.
Mach durch ihn auch uns zu neuen Menschen.
Die Bibel vernetzt mit der Gottesdienstgemeinschaft
Stellt euch folgendes vor: Wir feiern ein ganzes Jahr hier in unserer Kirche Gottesdienste, ohne dabei die Worte aus der Hl. Schrift zu hören: Taufe ohne Worte aus der Bibel, Sonntagsgottesdienst, Begräbnis, Werktagsmessen ohne Worte der Bibel. Wäre das nicht schlimm?
Für mich ist das unvorstellbar. Da würden wir eine wesentliche Quelle unseres Glaubens vergessen. Die Beschäftigung mit der Bibel hilft uns, über unseren Glauben zu sprechen, z.B. ganz konkret im Blick auf das heutige Evangelium:
Wie und warum haben die Fischer erkannt, dass Jesus besonders ist.
Wie und warum ist Jesus das Licht der Welt für das Volk, das im Dunkeln lebt?
Würde ich wie die Jünger Jesus auch sofort nachfolgen?
Hat mich Jesus schon einmal angesprochen?
Wenn wir beim Gottesdienst Worte der Bibel hören, dann entsteht Kirche und Gemeinde. Dann wird Kirche und Gemeinde gefestigt.
Die Bibel vernetzt mit unserer Sprache und Kultur
Ich habe hier die Bibel von Jonas, einem Mitglied unserer Schützenkompanie. Er hat diese Bibel, die 1726 in Augsburg gedruckt wurde, ersteigert und ist zurecht Stolz darauf: Es ist eine Übersetzung vom Lateinischen ins Deutsche durch den Benediktinerpater Thomas Aquinas Erhard (1675–1743).
Bücher und Bibeln waren über viele Jahrhunderte sehr wertvoll und teuer. Sie prägten die Sprache und Kultur. Die Übersetzungen der Bibel ins Deutsche durch Martin Luther haben wesentlich die deutsche Sprache geprägt.
Die Bibel vernetzt mit den anderen christlichen Kirchen und dem Judentum
Es ist kein Zufall, dass wir alljährlich am 17. Jänner den Tag des Judentums feiern und anschließend die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen beginnt. Zum Abschluss dieser Woche feiern wir den Bibelsonntag, den Sonntag des Wortes Gottes. Die Bibel verbindet alle christlichen Kirchen und hilft uns hoffentlich immer mehr, das Miteinander zu suchen. Die Verbindung zum Judentum macht unsere christliche Identität wesentlich aus, sie ist nicht Kür und Luxus, sondern Pflicht und Basis des christlichen Glaubens.
Die Bibel vernetzt mit mir selbst
Die Bibel hilft mir, den Kontakt zu mir selbst zu pflegen. Sie ist ein Schlüssle zu mir selbst. Ein Text von Paul Roth zeigt dies sehr schön:
Einmal am Tag, da solltest du ein Wort in deine Hände nehmen, ein Wort der Schrift. Sei vorsichtig, es ist so schnell erdrückt und umgeformt, damit es passt.
Versuch nicht hastig, es zu „melken“, zu erpressen, damit es Frömmigkeit absondert. Sei einfach einmal still. Das Schweigen, Hören, Staunen ist bereits Gebet und Anfang aller Wissenschaft und Liebe. Betast das Wort von allen Seiten, dann halt es in die Sonne und leg es an dein Ohr wie eine Muschel.
Steck es für einen Tag wie einen Schlüssel in die Tasche,
wie einen Schlüssel zu dir selbst.
Details
- Date: 24. Januar 2026
- Preacher: Franz Troyer
- Passage: Matthäus 4,12-23