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Predigt Fürbitte für dich

Evangelium: Johannes 17,1-11; Sonntag 17.5.26

 

Ab und zu geben mir Leute einen klaren Gebetsauftrag mit: Bitte bete für …!

Und dann nennen sie einen Namen oder ein Anliegen. Letzte Woche z.B. hat jemand zu mir gesagt: Bitte bete viel für unsere Kranken. Ich habe gerne zugesagt und bemühe mich, dies zu tun.

Amiram, mein Freund aus Israel, hat mir vor Jahren tief betroffen von der Krankheit seiner Enkelin erzählt. Am Ende des Gesprächs habe ich mich mit den Worten „Ich denke an euch“ verabschiedet. Er hat mich daraufhin tief angeschaut und gemeint: „Du kannst auch für uns beten!“ Gerne habe ich diesen Wunsch erfüllt und mich sogar etwas geschämt, dass ich nicht sofort vom Gebet gesprochen habe. Seither verspreche ich öfters Leuten, dass ich für sie bete.

 

So möchte ich das heutige Evangelium besonders mit dem Blick betrachten, dass Jesus hier für die Jünger und die ganze Welt zu seinem Vater betet.

 

Fürbitter in der Bibel

Aber zunächst ein Blick auf große Gestalten der Bibel, die für andere beten, und somit große Fürbitter sind:

Abraham (Genesis 18,16-33): Abraham bittet Gott, Sodom und Gomorra zu verschonen. Er verhandelt mit Gott wie auf einem Basar. Man spürt die Leidenschaft von Abraham, sich für andere einzusetzen, und keine Scheu vor Gott. Wir dürfen zu Gott alles sagen.

Mose (Exodus 32,30-34,3) Mose muss in der Wüste Sinai miterleben, dass sein Volk ein goldenes Kalb baut und somit von Gott abfällt. Gott ist zornig und enttäuscht, auch Mose ist zornig und enttäuscht. Und doch setzt sich Mose für sein Volk ein und sagt zum Volk: Ihr habt eine große Sünde begangen. Jetzt will ich zum Herrn hinaufsteigen, vielleicht kann ich für eure Sünde Sühne erwirken. (Exodus 32,30)

Jeremia. Der Prophet Jeremia schreibt einen Brief an seine Leute, die nach Babel verschleppt wurden und ermutigt sie, für die Menschen dort zu beten: Suchet das Wohl der Stadt, in die ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum Herrn; denn in ihrem Wohl liegt euer Wohl. (Jeremia 29,7)

Dass Jesus für andere betet, überrascht uns nicht. Beim letzten Abendmahl sagt er zu Petrus: Simon, Simon, … ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. (Lukas 22,32) Wir sehen, Jesus betet für Petrus und seine Jünger

 

Das große Fürbittgebet Jesu in Johannes 17

Auffällig und natürlich aussagestark! Die letzten längeren Worte Jesu im Johannesevangelium sind ein Gebet an seinen Vater. Jesus fasst am Ende des letzten Abendmahles sein Lebenswerk in einem großen Fürbittgebet zusammen. Seine Jünger und alle Menschen mögen vor dem Bösen verschont bleiben, sie mögen in Gottes Namen bewahrt bleiben und untereinander eins sein.

Fürbitten bei der heiligen Messe

Ich erlebe das Fürbittgebet als einen wichtigen Teil bei der heiligen Messe. Die Fürbitten lenken den Blick in die ganze Welt hinaus und besonders zu den Armen und Benachteiligten hin. Sie machen die Gottesdienstgemeinschaft zu einem Kraftort für eine bessere Welt und verhindern, dass diese ein egoistisches Wellnessbad oder ein Selbstverwirklichungsclub wird.

Die Erfahrung, dass viele Gebete nicht in unserem Sinn in Erfüllung gehen, verunsichert viele Menschen. Hat das Gebet überhaupt einen Sinn? Erfüllt Gott unsere Bitten? Humorvoll zeigt sich dieses Dilemma in folgender Begebenheit: Ein Pfarrer hat für die Feier der heiligen Messe das vorbereitete Blatt mit den Fürbitten vergessen. Er schickt einen Ministranten zum Mesner mit der Bitte, dieses Blatt zu holen. Der Mesner findet es nicht, sondern nur die Vorlage der letzten Woche. Daraufhin meint der Pfarrer: „Das macht nichts, die Bitten der letzten Woche sind noch nicht erfüllt.“

 

Jesus und der Hl. Geist als Fürsprecher

Ich jedenfalls finde es als Kompliment, wenn Menschen zu mir sagen: „Bitte bete für mich!“ „Bitte bete für …“ Ich bin dankbar für dieses Vertrauen, dass ich beten darf und dass mir Gott und viele Menschen dabei helfen. Es tut so gut, Fürsprecher zu haben, die sich für uns einsetzen. Diese sind wie zusätzliche Arme, die uns umarmen, stützen und führen.

Der Apostel Paulus reflektiert auf theologisch höchstem Niveau, dass sowohl Jesus als auch der Geist Gottes für uns die besten Fürsprecher sind. Vom Geist Gottes heißt es: So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern. (Römerbrief 8,26) In bewusst parallel formulierten Worten wird einige Zeilen später über Jesus ähnliches ausgesagt: Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: Der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein. (Römerbrief 8,34; vgl. auch Hebräerbrief 7,25) Wie beruhigend: Wir haben in Jesus und im Heiligen Geist große Fürbitter und Unterstützer, die für uns eintreten, sich für unser Heil einsetzen und uns unter die Arme greifen.

 

So lade ich ein, das Fürbittgebet zu pflegen, selber für andere zu beten und andere ums Gebet zu bitten.

Details
  • Date: 16. Mai 2026
  • Preacher:
  • Passage: Johannes 17,1-11