Description

„Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten“ …

Predigt zum 32. Sonntag im Jahreskreis, Diakon Richard Agerer

 

Wir haben es gerade im Evangelium gehört und sind, wenn wir uns in die Situation hineinversetzen, gerade auch Zeugen geworden von einem sehr unfreundlichen, ja aggressiven Handeln Jesu. Der Evangelist Johannes berichtet ziemlich gleich am Anfang seines Evangeliums von der so genannten Tempelreinigung. Diese Tempelreinigung fand im Jerusalemer Tempel statt – dem höchsten Heiligtum der Juden.

 

Jesus selbst war Jude und mit dieser Tradition vertraut. Die frommen Juden ließen Tiere schlachten und brachten sie als Rauchopfer dar. Dafür gab es auf dem Vorplatz des Tempels Stände mit Händlern, deren Geschäft und Aufgabe es war, die religiösen Bedürfnisse der Pilger zu befriedigen.

 

Die Gläubigen mussten also zum Tempel und damit zu Gott kommen und ihm im Rahmen einer Wallfahrt Tiere opfern.

 

Jesus hat, wie jeder fromme Jude, den Tempel von Jerusalem geliebt und ist dorthin gegangen, um zu beten. Er hat auch die Menschen geliebt, die zum Tempel kamen und dort mehr an ihre Geschäfte als an Gott dachten. Der Zorn, der ihn antreibt, die Verkäufer samt ihrer Ware vom Tempelplatz zu vertreiben, ist Ausdruck seiner leidenschaftlichen Liebe.

 

Jesus will den religiösen Juden am Ort ihres Heiligtums in Jerusalem zeigen, dass es Zeit ist, den lebendigen Gott, den Sohn Gottes, den Christus … ja Jesus selbst anzubeten. Denn durch die Menschwerdung Gottes brauchen sie keine Opfertiere mehr schlachten lassen und im Temple darbringen.

 

Vor allem aber ist die Tempelreinigung Anzeichen des nahen Gerichts. Denn der Tempel wird im Jahre 70 n.Chr. zerstört werden.

 

Wo wird und will Gott dann wohnen?

 

Der wahre Tempel ist da, „wo Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet wird“ …(Johannesbrief). Wo das nicht geschieht, bleibt vom Tempel vielleicht noch das Gebäude stehen, aber dieses ist in Wirklichkeit leer und eigentlich überflüssig. Ein solches Gebäude kann verschwinden.

 

Genau da setzt Jesus mit der Austreibung der Händler und Geldwechsler an:

 

denn Gott will in einem lebendigen Heiligtum wohnen.

 

Gott will in Christus seinem Sohn, dem Mensch gewordenen und auferstandenen Herrn wohnen.

 

Gott will in der Gemeinschaft der Gläubigen – also bei uns hier und gerade JETZT in der Kirche wohnen.

 

Gott will in der Gemeinde derer wohnen, die an Christus glauben und mit ihm Gemeinschaft haben. 

 

Ja Gott will in jedem Menschen wohnen. Auch und gerade in dem, der Christus noch nicht kennt.

 

Und schließlich wohnt er in dir und mir.

 

Das finde ich persönlich wunderschön und faszinierend. Immer, wenn wir zu Gott, dem großen Geheimnis kommen, ist er schon da. Er freut sich, dass wir seine Einladung annehmen.

 

Dazu haben und brauchen Menschen verschiedene Orte, um bei sich zu sein, zu sich zu kommen und damit auch Kontakt aufzunehmen zu Gott … im Gebet aber auch nur im Dasein und im Schweigen. Zu Gott kommen, der schon da ist, der in mir wohnt, kann ich hier in der Kirche, an meiner Lieblingsbank mit dem Blick auf den Spitzkofel, oder zuhause in meinem Zimmer vielleicht vor einem Kreuz. Ganz persönlich komme ich Christus am nächsten und spüre eine richtige Verinnerlichung – im Empfang der Eucharistie.

 

Jesus führe uns an der Hand, um dich in uns und in unserer Nachbarin – unserem Nächsten zu entdecken. Wir müssen keine Opfer darbringen und brauchen keinen geschäftemachenden Tempelbetrieb.

 

Das Einzige, was wir sollten, ist, der LIEBE die uns Gott schenkt nachzuspüren, sie zu empfangen und dann mit Freude weiter zu schenken.

 

Amen.

Details
  • Date: 9. November 2025
  • Preacher:
  • Passage: Johannes 2,13-25