Beschreibung

Predigt Großzügigkeit der armen Witwe

Evangelium: Markus 12,38-44; 7.11.2021

 

Eine Geschichte, ein Erlebnis und der Blick auf das Evangelium von der großzügigen Witwe im Tempel von Jerusalem. Heute drei Lebensbeispiele mit der Einladung zum Schmunzeln, Staunen und Nachmachen

 

  1. Schnelles Handeln

Gestern war er noch nicht da. Doch heute in der Früh lag er mitten auf der Straße. Ein riesiger Stein blockierte den Straßenverkehr, es blieb nur mehr eine Spur offen und in kürzester Zeit bildete sich ein Stau. Viele Fahrer hupten und fluchten, aber es half nichts. Die Warteschlange auf beiden Seiten wurde immer größer.

Weil nichts geschah und der Stein auch zu Mittag noch auf der Straße lag, fand zu Mittag eine Protestkundgebung vor dem Rathaus statt. Auch Reporter tauchten auf. „Nein zum Stein!“ lautete der Slogan der Kundgebung. Sie war die Geburtsstunde der „Steinaffäre“.

Am frühen Nachmittag kam ein Gemüsehändler mit seinem Wagen am Stein vorbei. Er blieb am Straßenrand stehen, schaltete den Warnblinker ein und holte sein Werkzeug mit dem Ziel, den Stein an den Rand der Straße zu verrücken. Der Schweiß trat auf seine Stirn, doch schlussendlich gelang es ihm, den Stein zu bewegen und an den Straßenrand zu bringen.

Schon wollte er weggehen, als er auf dem Boden einen Briefumschlag sah. Er war offensichtlich unter dem Stein hinterlegt worden. Es verschlug ihm die Sprache, als er im Briefumschlag einen Scheck fand und eine Botschaft. Demjenigen, der den Stein weggewälzt hat, bot ein großes Unternehmen den Posten des Vizedirektors an.

(nacherzählt nach Jozef Niewiadomski in Schlusspunkt Tiroler Sonntag 4. Nov 2021)

 

Vermutlich schmunzeln sie über diese Geschichte mit der Steinaffäre,

darüber, dass Schimpfen schneller geht als einfach Lösungen zu suchen,

über die Natürlichkeit des Gemüseverkäufers und die Klugheit eines großen Unternehmens, jene Personen in Spitzenpositionen zu setzen, die ganz zielstrebig Lösungen suchen.

 

  1. Sternsingen im Seniorenwohnheim

Bei der Sternsingeraktion habe ich vor einigen Jahren in einem Seniorenwohnheim folgendes erlebt: Alles war schon vorbereitet auf den königlichen Besuch, die alten Leute waren in einem großen Raum versammelt.

Während wir unsere Lieder sangen, fiel mir ein älterer Mann auf, der eine große Kaffeeschale in den Händen hielt. „Er wird wohl seinen Kaffee noch nicht fertig getrunken haben.“ war mein Gedanke.

Nach dem Singen ging der alte Mann zittrig dem König mit der Kassa entgegen.

Ich dachte mir: Hoffentlich schüttet er nicht Kaffee in die Kassa hinein.

Aber schau: In der Kaffeeschale war kein Kaffee, sondern alles 10 Groschen Stücke, gesammelt Tag für Tag im vergangenen Jahr.

Ich habe große Achtung vor dem Mann mit der Kaffeeschale voll mit 10 Groschenstücken. Er gehört zu den vielen Spendern in unserem Land Tirol, die äußerlich einen kleinen Betrag spenden, aber innerlich das ganze Leben mit ihren Mitmenschen teilen.

 

Großzügigkeit der Witwe

Der Gemüseverkäufer und der Mann bei der Sternsingeraktion erinnern mich an die Witwe im heutigen Evangelium.

Diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles hergegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

 

Ich staune über solche Menschen und treffe in meiner Arbeit immer wieder auf solche Menschen. Warum sind Menschen wie diese arme Witwe so großzügig? Warum sind sie bereit, mehr zu geben als den Überfluss?

 

Manchmal ist die Antwort klar: Deswegen, weil sie vertrauen, dass sie Gott nicht allein lässt, und weil sie wissen, dass Gott nicht alles allein macht.

Die Logik ist ganz einfach: Sie brauchen Gott und Gott braucht sie.

 

Gott benötigt

deine und meine Hand

dein und mein Herz

deinen und meinen Mund

 

Details
  • Datum: 7. November 2021
  • Prediger:
  • Bibelstelle: Markus 12,38-44