Predigt ist der Tempel Gottes mitten unter uns
Description
Predigt Ist der Tempel Gottes mitten unter uns? So 9. Nov 2025
Lesung Ezechiel 47,1-2.8-9.12; Evangelium Johannes 2,13-33
Am 1. November wurde in Kairo das neue Ägyptische Museum feierlich eröffnet. Das Museum spielt alle Stücke, es verbindet Vergangenheit und topmoderne Architektur. Vom Museum aus hat man einen direkten Blick auf die berühmten Pyramiden. Im Museum bekommt man einen guten Einblick in die Kultur des alten Ägyptens, mit vielen Exemplaren von den alten ehrwürdigen Tempeln. Das hat mich angeregt, über die verschiedensten Tempel nachzudenken: Die Tempel in Ägypten, den jüdischen Tempel in Jerusalem, unsere Einkaufstempel und schlussendlich die große Pointe Jesu: Wisst ihr nicht, dass ihr selbst Gottes Tempel seid und Gottes Geist in euch wohnt. (1 Kor 3,16)
Eines ist klar: Die Art, wie ein Tempel gebaut ist und welche Tempel wir besuchen, drückt vieles über uns aus.
- Tempel der alten Ägypter
Die alten Ägypter bauten für ihre Götter große Tempel mit viel Gold und den bekannten Malereien. Die Tempel waren meistens wie eine Burg. Nur wenn es die Wachen erlaubten. gelangten die Menschen in den Tempel hinein. Erst durch mehrere Vorräume und Räume hindurch erreichte man das Zentrum.
Damit wird klar: In den alten ägyptischen Tempeln wurden „mächtige“ Gottheiten verehrt, zu denen ich hingehen muss und die ich nur dann erreiche, wenn es mir von den Wachen erlaubt wird.
- Das Volk Israel in der Wüste Sinai
Das Volk Israel entflieht beim Auszug aus Ägypten der Sklaverei. Gott hat sie von diesem Joch befreit und mehr noch: Sie erleben jetzt einen Gott, der sie begleitet, sie motiviert, ihnen in der Wolkensäule voran geht und ihnen den Weg zeigt. Der „Gott mit uns“ offenbart sich im schlichten Bundeszelt, in dem sich Himmel und Erde berühren. Hier wird ein Gott verehrt, der mit den Menschen bis an die Ränder der Erde geht.
- Tempel in Jerusalem
Was ist besonders an diesem Tempel von Jerusalem zur Zeit Jesu?
- Auf den Tempelvorplatz, der flächenmäßig den Großteil des Tempels ausmachte, durften alle Menschen, auch Heiden.
- Auch dieser Tempel hatte wie im alten Ägypten verschiedene Räume. Je näher es zum Zentrum, zum Allerheiligsten, ging, umso enger wurden die Eintrittsbedingungen. Ins Allerheiligste durfte nur ein Priester einmal im Jahr am großen Versöhnungstag.
- Das Allerheiligste war bewusst leer. Für das Volk Israel war klar, dass ich Gott niemals darstellen kann. Er ist immer größer als Menschenwerk, er lässt sich nicht in eine Schublade pressen.
- Einkaufstempel
Es ist kein Zufall, dass große Einkaufszentren als Einkaufstempel bezeichnet werden. Bald werden sie wieder leuchten und glitzern mit Weihnachtsschmuck und vielen Hinweisen auf Spitzenangeboten. Vermutlich haben diese heutzutage am meisten Besucher.
Was ist das Besondere dieser Einkaufstempel? Hier gibt es vieles zu kaufen. Es lebt die Sehnsucht, ein Schnäppchen zu finden. Hier wird uns eine besondere Welt versprochen. Ich bin nicht allein, ich gehöre dazu.
Zur Zeit Jesu wurde der Tempel von Jerusalem zu einem Einkaufstempel.
Jesus reinigt den Tempel von Jerusalem, da dort an der Stelle des Allerheiligsten Geldgeschäfte zum Mittelpunkt geworden sind. „Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle.“
- Jeder Mensch als Tempel Gottes
Jetzt kommt noch etwas Besonderes bei Jesus: Beim Tod Jesu reißt der Vorhang im Tempel entzwei, dass verborgene Allerheiligste wird für alle sichtbar. Damit wird klar: Der Tempel ist für alle offen. Durch Jesu Wirken dürfen alle Menschen ganz direkt in das Herz Gottes blicken.
Die reinigende Revolution Jesu geht noch weiter. Jesus öffnet nicht nur den Tempel, sondern ermöglicht, dass sich der Ort, wo sich Himmel und Erde berühren, nicht mehr auf ein Gebäude reduzieren lässt. Er verbreitet sich auf der ganzen Welt.
Wir haben uns hier in unserer Pfarrkirche versammelt. Diese ist kein Tempel. Wohl aber befinden sich hier im Raum viele lebende Tempel, nämlich ihr selber! Warum? Nicht nur Jesus selbst personifiziert sich als Tempel. „Er aber meinte den Tempel seines Leibes.“ (Joh 2,21)
Nein, jeder noch so zerbrechliche Mensch wird durch die Menschwerdung Jesu und die Einwohnung des Hl. Geistes zum Tempel Gottes wird. „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16)
Wir sehen, ein Vergleich der verschiedenen Tempelmodelle sagt viel aus, wie wir Glauben und Religion verstehen.
Jesus hat wahrlich Neues gebracht und Neues ermöglicht. „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16)
Details
- Date: 8. November 2025
- Preacher: Franz Troyer
- Passage: Johannes 2,13-33