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Predigt Radikale Fragen und Versuchungen

Evangelium: Matthäus 4,1-11; 1. Fastensonntag 22. Feber 2026

 

Wer bin ich? Wer liebt mich?

Wer befreit mich?  Wer befreit mich von meinem Befreier?

 

Beim Theologiestudium hatten wir einen Professor, der diese vier Fragen als die wichtigsten Fragen bezeichnete und viele Themen anhand von ihnen besprach. Wir haben damals ab und zu darüber gespottet und sogar Sketches dazu gestaltet. Heute denke ich mir: Allein die Tatsache, dass ich die Fragen nach vierzig Jahren noch weiß, spricht dafür, dass sie in die Tiefe gehen:

 

Auch Jesus musste sich mit den Fragen des Lebens auseinandersetzen und entscheiden, nach welchen Prinzipien er leben will. Das heutige Evangelium berichtet, dass ihn bei seinen Ringen der Teufel herausfordert. Der Teufel wird hier als „diabolos“ bezeichnet, also als „Durcheinanderwirbler“. Jesus entlarvt seine Tricks. So möchte ich die Fragen unseres Professors auf Jesus übertragen und mit uns verbinden.

 

Wer ist Jesus – wer bin ich?

Wer ist Jesus? Bei der Taufe bekam Jesus die Zusage: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe. (Mt 3,17) Nach der Taufe zieht sich Jesus in die Wüste zurück und merkwürdigerweise genau jetzt kommt zweimal der zynische Satz des Diabolos, wenn du Gottes Sohn bist. Die Urbeziehung Jesu zu seinem Vater wird hier in Frage gestellt und soll mit einem eigenartigen Beweis bestätigt werden. Auf den ersten Blick klingt der Wunsch, aus Steinen Brot zu machen, vernünftig. Dann hätten alle Menschen auf unserer Welt genug zu essen. Aber darum geht es dem „Durcheinanderwirbler“ nicht, sondern um die Versuchung des unbegrenzten und schnellen Konsums.  Die Antwort Jesu auf dieses Angebot lautet: Der Mensch lebt nicht vom Essen und Genuss allein, auch nicht vom Besitz oder Ruhm allein. Für ein erfülltes Leben brauchen wir Nahrung für Leib und Seele und nicht nur den schnellen Konsum.

 

Wer ist Jesus, wer bin ich: Ist dir bei dieser Frage schon einmal der Gedanke gekommen, dass du ein Kind Gottes bist. Bei einer Diskussion, in der Martin Luther scharf kritisiert wurde, nahm er einen Stift und schrieb groß auf den Tisch: Ich bin getauft. Er wollte damit sagen: Selbst wenn ihr an mir manches kritisiert und manches nicht gelingt, ich bin und bleibe ein Kind Gottes.

 

Wer liebt Jesus – wer liebt mich?

Wer liebt mich? Bei der zweiten Versuchung bietet der Teufel an, Liebe zu kaufen und mit besonderen Aktionen zu verdienen. Jesus soll wie ein Star von der Zinne des Tempels hinabspringen. Dann sei ihm die Liebe und der Beifall aller fix. Bei dieser Versuchung argumentiert der Diabolos sogar mit Psalm 91,11–12: Denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er um deinetwillen, und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

Dieser Trick mit dem Bibelzitat verdeutlicht, dass es im Wirrwarr der Stimmen und der Sehnsucht nach Liebe oft nicht so eindeutig ist, was richtig und was falsch ist.

 

In meinem Gebetsbuch war am Faschingsdienstag die Anregung: „Die größte Ehre, die wir Gott erweisen können, ist, froh zu leben. Weil wir um seine Liebe wissen.“ (Juliane von Norchwick, englische Mystikerin) Jesus wusste um die Liebe seines Vaters. Auch deswegen fiel er nicht auf die krummen Angebote des Satans herein.

 

Wer befreit Jesus – wer befreit mich?

Jesus bekommt in der Wüste im wahrsten Sinn des Wortes ein satanisches Angebot, das ihm Freiheit vorgaukelt. Er hat es nicht notwendig, darauf herein zu fallen. Jesus fühlt sich frei, das spüren wir in vielen Begegnungen seines Lebens bis hin zum Prozess vor Pilatus.

Wie steht es mit deiner Freiheit? Wie frei fühlst du dich.? Wo suchst du die Freiheit?

 

Wer befreit Jesus von seinem Befreier – wer befreit mich von meinem Befreier?

Diese Frage überrascht zunächst. Aber sie verdeutlicht etwas ganz Wesentliches, nämlich die Gefahr, dass ich mich von jemanden und auch von Dingen abhängig mache. Abhängigkeit beginnt nicht mit schweren Drogen. Eine Person, die längere Zeit unter psychiatrischer Behandlung war, sagte einmal zu mir, dass sie vom Psychiater abhängig sei.

 

Jesus muss ich in der Wüste den zentralen Fragen des Lebens stellen. Er gibt klare Antworten. Jesus durchbricht damit die Dynamik der Urversuchungen und entlarvt all diese Gefahren, die das Leben und den Sinn des Lebens auf wackelige Beine stellen.

Wer bin ich, wer liebt mich, wer befreit mich, wer befreit mich von meinem Befreier?

„Es sind drei Punkte, wo der Mensch anpackbar ist:

beim Reichtum, bei der Macht, bei seiner Ehre.

Deshalb übe, bescheiden zu sein, demütig, ehrlich.“ (Jakob Bürgler)

Details
  • Date: 21. Februar 2026
  • Preacher:
  • Passage: Matthäus 4,1-11