Predigt Zwei österliche Modellgestalten im Johannesevangelium
Description
Predigt Zwei Österliche Modellgestalten im Johannesevangelium.
Evangelium: Johannes 20,1-18, Martin Hasitschka SJ; 5.4.2026
Zwei Gestalten, Maria von Magdala und „der Jünger, den Jesus liebte“, sind bei der Kreuzigung Jesu dabei. Sie erleben sein Sterben und seinen Tod.
Maria Magdalena
Lenken wir unseren Blick auf Maria von Magdala. Sie kommt als Erste zum Grab Jesu. Dies ist für sie Ort der Erinnerung an einen geliebten Menschen. Auch wir besuchen Gräber von uns nahestehenden Personen, bringen Blumen mit, zünden dort Kerzen an.
Maria ist total erschrocken. Sie läuft, läuft schnell zu den beiden Jüngern. Das Grab ist nicht in Ordnung, sagt sie. Man hat Jesus aus dem Grab weggenommen.
Maria von Magdala steht dann draußen vor dem Grab und weint. Was ihre Situation verändert: Einer kommt und nennt sie beim Namen. Es ist die vertraute Stimme Jesu. Sie umarmt ihn. Jesus sagt: Halte mich nicht länger fest. Und er nennt einen Grund, der uns zu denken gibt. „Ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.“ Wenn Jesus beim Vater ist, gibt es auch neue Verbundenheit mit ihm. Wir dürfen uns verstehen als seine Brüder und Schwestern. Wir gehören in einem besonderen persönlichen Nahverhältnis zu ihm. Damit werden wir auch hineingenommen in seine einzigartige Beziehung zum Vater.
Jünger, den Jesus liebte
Lenken wir den Blick auf die beiden Jünger. Sie laufen zum Grab. Der Jünger, den Jesus liebte, läuft schneller. Er geht in das leere Grab hinein und sieht die Leinenbinden liegen, sorgfältig zusammengelegt. Er sieht und glaubt. Er vertraut darauf, dass nun eingetreten ist, was schon durch die Schrift bestärkt wird, nämlich dass Jesus von den Toten auferstehen muss. Es geht gar nicht anders. Das hängt zusammen mit der einzigartigen Sendung Jesu. Er ist gekommen, damit wir Leben haben, Leben in Fülle (Joh 10,10). Er verheißt Leben über den Tod hinaus, ewiges Leben. Wer an Jesus glaubt, hat dieses Leben bereits jetzt (Joh 3,16). Leben bedeutet auch Verbundenheit und Gemeinschaft. Jesus verkündet nicht nur das unzerstörbare Leben, sondern verkörpert es in seiner Person. „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11,25), sagt er zu Marta, die um ihren verstorbenen Bruder Lazarus trauert.
Angesichts des leeren Grabes gelangt der Jünger, den Jesus liebte, zur Glaubensgewissheit: Es ist nicht denkbar, dass Jesus, der das Leben verkündet und verkörpert, im Grab bleiben muss.
Modellgestalten
Die beiden Gestalten im heutigen Evangelium haben beispielhafte Bedeutung für uns. Sie sind Modellgestalten.
Der Jünger, den Jesus liebte, ist er Erste, der zum Osterglauben kommt. Wie er dürfen auch wir uns von Jesus geliebt wissen – in allen Lebenssituationen – schönen wie schweren – unverdient / ohne ein Recht darauf zu haben. Der Jünger hat keinen Namen. Das bestärkt uns in dem Gedanken, dass er eine Modellgestalt ist, mit der wir uns identifizieren können.
Maria wird von Jesus bei ihrem Namen genannt. Wir dürfen auch unseren Namen einsetzen. Der Auferstandene spricht uns an mit unserem Namen. Er kennt uns. Es ist wie beim Guten Hirten im Johannesevangelium: „Die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus.“ (Joh 10,3). Wenn Jesus mich beim Namen nennt, so ist das eine besondere Art persönlicher Zuwendung. Er weiß um meine Situation.
Ähnlich wir der Jünger, den Jesus liebte, und wie Maria von Magdala sind auch wir dazu berufen, nicht nur durch Worte, sondern auch durch unsere Lebenspraxis die Osterbotschaft zu bezeugen in den z. T. schwierigen Verhältnissen unserer Zeit.
Details
- Date: 5. April 2026
- Preacher: Martin Hasitschka SJ
- Passage: Johannes 20,1-18