Predigt Dankgottesdienst Hochzeitsjubilare 2026
Description
Predigt Dankgottesdienst Hochzeitsjubilare So 6. September 2026 Lavant
Lesung: 1 Korinther 13,1-13; Evangelium: Matthäus 18,15-20
Ich mache fast alle Jahre im Sommer eine Woche Exerzitien. Schwerpunkte der Woche sind Stille, Gebet und täglich ein Gespräch mit dem Exerzitienbegleiter. Heuer habe ich diesen am Ende der Exerzitien gefragt, ob er einen Ratschlag für mich hat. Er gab mir dann folgende Anregung: Sag dir ab und zu das Eheversprechen selbst vor, sprich es laut und vielleicht sogar vor dem Spiegel, damit du dein Gesicht siehst. Formuliere es im Blick auf dich selbst:
Vor Gottes Angesicht nehme ich mich an.
Ich verspreche mir die Treue
In guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit
Ich will mich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.
Zunächst kam mir die Anregung komisch vor. Ich bin ja nicht verheiratet. Mir selber etwas zuzusagen ist nicht ganz das meine, es erinnert mich mehr an Psychotricks. Im Gespräch mit dem Exerzitienmeister wurde mir klar: In seiner Anregung geht es nicht um Psychotricks, sondern um die Achtung vor mir selbst und die Fähigkeit, sich selbst anzunehmen und ehrlich mit den eigenen Stärken und Schwächen zu leben.
So meine Frage an euch, liebe Jubelpaare, die ihr vor vielen Jahren euch gegenseitig das Eheversprechen zugesagt habt.
Habt ihr euch das Eheversprechen ab und so hörbar oder in Gedanken zugesagt oder bei weiteren Hochzeiten – vielleicht sogar von euren Kindern – euch bestätigend und dankbar zugenickt.
Was ist leichter: Die Treue mir selbst gegenüber oder meinem Ehepartner gegenüber?
Was ist leichter und wichtiger: Meine Eigenarten und Besonderheiten, meine Gesundheit und Krankheit anzunehmen oder die der anderen? Ich verspreche dir und mir die Treue in Gesundheit und Krankheit?
Ist in eurer Ehe im Laufe der Jahre die Achtung vor euch selbst und dem anderen sogar gewachsen und zwar deswegen, weil euer Ehepartner euch achtet und ehrt und die Treue und Verlässlichkeit zeigt?
Habt ihr manchmal die Achtung vor euch selbst und vor eurem Ehepartner verloren, wie habt ihr sie wiedergefunden?
Wenn manchmal Leute sagen „Bleib wie du bist!“, dann denke ich mir: Ich möchte gar nicht bleiben, wie ich bin. Ich möchte wachsen, ich möchte mich im Alter weiterentwickeln, ich möchte aus Erfahrungen und aus Fehlern lernen.
Ich habe heute absichtlich das Evangelium vom heutigen Sonntag genommen. Es passt so gut, weil es hier um das ganz konkrete Zusammenleben geht, in der Familie, in der Großfamilie, in der Gemeinde und Pfarre. Es geht um die Konfliktkultur und die Fähigkeiten, Streitereien zu lösen. Hier werden die wichtigsten Regeln genannt. Drei möchte ich herausgreifen:
Zuhören
Ist euch schon einmal aufgefallen, dass im kurzen Bibeltext des heutigen Evangeliums viermal die Fähigkeit des Hörens betont wird. Diese Fähigkeit spielt beim Lösen von Konflikten eine wichtige Rolle. Viele Gespräche scheitern, weil wir uns nicht zuhören und nicht hineinhören in das, was jemand sagt oder nicht sagt. Oft sind wir bereits mit dem beschäftigt, was wir antworten wollen. Wie viel Zeit verwendet ihr täglich zum Reden und Zuhören?
Reihenfolge der Lösungsversuche beachten
Eine gute Feedback-Kultur und Klärung von Fragen beginnen beim Gespräch unter vier Augen. Ich meine es gut mit meiner Rückmeldung. Ich halte dabei der anderen Person die Wahrheit wie einen Mantel hin und nicht wie einen Waschlappen, den ich jemanden ins Gesicht schlage.
Falls das Gespräch unter vier Augen nicht gelingt, hilft hoffentlich als zweiter Schritt ein Gespräch mit ein bis zwei Personen des Vertrauens. Außenstehende können manches klarer sehen, weil sie nicht vereinnahmt sind. Ihre Worte werden leichter gehört. Bei einem Streit sagte vor Jahren eine Beraterin zu mir: „Alles, was du sagst, ist richtig, aber es muss jemand anderer sagen.“ Wir haben oft Scheu, andere als Hilfe heranzuziehen, weil es peinlich ist. Das ist eine falsche Scheu.
Die Information der Öffentlichkeit über einen Streitfall soll erst dann erfolgen, wenn die beiden bisherigen Schritte nichts gebracht haben. Transparenz ist ab dieser Stufe notwendig, um Klarheit zu schaffen und Gerüchte zu relativieren. Schade ist es, wenn Konfliktlösungen auf dieser Stufe beginnen. Heute verschicken manche über Social Media die Informationen über einen Konflikt, bevor sie mit der betroffenen Person reden. Es ist verständlich, dass solche Botschaften meist ein Gift sind, das den Ärger und die Fronten verschärft.
Gebet
Die heutigen Bibelworte über unser Miteinander in guten und in bösen Tagen enden mit dem Hinweis auf das Gebet und die Kraft der Gegenwart Gottes. Wenn ich für jemanden bete, begegne ich ihm anders und finde mit Gottes Hilfe Geduld, Klugheit und neue Lösungsschritte. Die Bibelworte erzählen, dass Gott bei Schwierigkeiten nicht abhaut. Wo zwei oder drei in meinen Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Der Umgang mit den Stärken und Schwächen anderer und mit den eigenen gehört für mich zur größten Lebensaufgabe in der Ehe. Sie lassen uns reifen oder machen uns verbittert. Gereifte Menschen achten ihre Nächsten, entweder, weil sie gut sind oder damit sie gut werden. Wahre Freunde sehen deine Fehler und weisen dich darauf hin. Falsche Freunde sehen deine Fehler und machen andere darauf aufmerksam.“
Omas sind oft sehr klug. So schließe ich mit der Oma Regel
O wie Ohren: Wir hören einander aufmerksam zu
M wie Mund: Wir sprechen freundlich miteinander
A wie Augen: Wir sehen uns an.
Details
- Date: 6. September 2026
- Preacher: Franz Troyer
- Passage: Matthäus 18,15-20