Neues Buch von Dekan Franz Troyer „Worte, die Frieden stiften“

Das neue Buch von Dekan Franz Troyer erscheint im Verlag Tyrolia und ist somit in der Buchhandlung Tyrolia um 20 Euro erhältlich. Auch im Pfarrbüro St. Andrä oder direkt bei mir ist das Buch erhältlich. Ich möchte den Reinerlös des Buches für ein Herzensanliegen von mir spenden, nämlich für das Caritas Baby Krankenhaus in Bethlehem. Die Familien in Betlehem sind aufgrund des Gazakrieges in großer Not. Unsere Hilfe kann mithelfen, dass wenigsten einige kranke Kinder neue Chancen bekommen.  Pro Buch, das bei mir oder im Pfarrhaus St. Andrä gekauft wird, werde ich fünf Euro an das Caritas Baby Krankenhaus in Bethlehem spenden. Danke dafür.

 Wie sind sie auf die Idee gekommen, dieses Buch zu schreiben

Die derzeitige Situation in der Welt beschäftigt mich sehr. Ich beobachte, dass Aggressionen und Misstrauen in unserer Gesellschaft steigen. Mir kommt vor, dass in den letzten Jahren die Fähigkeit und Bereitschaft zur friedlichen Lösung von Spannungen und Konflikten abnehmen und die Steigerung der Aggressionen viel zu schnell geht: Sofort Drohungen, sofort Gewalt, sofort Abbruch von normalen Gesprächen. Das scheint in der großen Weltpolitik so zu sein, das passiert leider auch mitten unter uns. Unbeschriebene Gesetze der Höflichkeit und ausdrückliche Abmachungen scheinen nicht mehr zu zählen. Es gilt die Macht des Stärkeren und nicht so sehr die Kraft des Vertrauens und der Gerechtigkeit.

Ich frage mich oft, wie ich selbst auf diese geänderte Situation reagieren will. Ich will die Augen nicht vor der Realität der Weltpolitik verschließen. So schaue ich ganz gezielt Nachrichten, um gut informiert zu sein. Aber ich übe, dass ich den Tag nicht mit schlechten Nachrichten beginne und erst recht nicht damit beende.

Ein anderer Schritt ist der gezielte Blick darauf, wie ich Friede und Versöhnung tagtäglich einüben kann. Ich bin nämlich überzeugt: Friede benötigt eine bewusste Entscheidung. Wenn ich mich nicht bewusst für Friede und Versöhnung entscheide, sind oft die Kräfte des Misstrauens – ich nenne sie gerne Gift – stärker und ziehen mich hinunter, ohne dass ich es sofort merke.

 

Warum ein Buch mit vielen Beispielen aus der Bibel?

Bei vielen Lebensfragen schaue ich gerne in die Bibel hinein. Hier sind so viel Weisheit und Lebenserfahrung gesammelt und aufgeschrieben. Die Bibel kennt fast alle Situationen, die wir erleben, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Es zahlt sich aus, diese Situationen genauer anzuschauen und dann mit meinen Leben und unserer Zeit zu vergleichen. Ein Sprichwort sagt: „Ein engagierter Christ sollte in einer Hand die Tageszeitung haben und in der anderen die Bibel.“ Das bedeutet: Es benötigt den Blick auf das Tagesgeschehen und die Fähigkeit, dieses wachsam und gelassen in große Zusammenhänge einzuordnen.

 

Können sie einige Beispiele von ihrem Buch nennen?

Im Buch bringe ich insgesamt dreißig Beispiele. Zehn sind vom alten Testament, zehn aus dem Leben Jesu und zehn von biblischen Personen, die Jesus erlebt haben und von ihm als Friedensstifter motiviert wurden. Hier einige Bespiele vom Alten Testament:

Mit Josef auf Rache verzichten: In diesem Kapitel (jedes Kapitel ist ca.  drei Seiten lang) schaue ich, wie Josef von seinen Brüdern verkauft wird und wie er sie dann trotzdem in Ägypten rettet. Auch nach dem Tod des Vaters verzichtet Josef darauf, sich zu rächen.

Anhand von Kain stelle ich die Frage, ob und wie ein Verbrecher – Kain ermordet seinen Bruder – gut weiterleben kann und wie wir mit Schuld mitten unter uns umgehen können. In unserer Gesellschaft sehe ich zwei „Straßengraben“. Die einen betonen, dass wir alle Fehler machen und deshalb Schuld nicht so schlimm ist. Die anderen fordern, dass alle Täter und Täterinnen sofort eingesperrt und weggesperrt werden müssen. Die Bibel berichtet, dass Gott nach dem Mord den Kain nicht für vogelfreu erklärt, sondern ihn mit dem Kainmal schützt.

Mit Jesaja für den Frieden fasten: Der Prophet Jesaja und Mahatma Ghandi sind zwei Beispiele, wie Menschen gezielt fasten, um Widerstandskräfte in den Herausforderungen von Aggression und Ungerechtigkeit zu entwickeln. Jesaja entwickelt eine Vision vom Weltfrieden, die für mich von der Grundhaltung und vom Inhalt her phänomenal ist.

Mit Ester Verantwortung übernehmen: Die Jüdin Ester ist mit dem Perserkönig Artaxerxes verheiratet. Dieser weiß nicht, dass sie eine Jüdin ist. Durch Einflussnahme seines Beraters gibt der König den Befehl, dass alle Juden beseitigt werden müssen. Judith geht zum König und riskiert dabei ihr eigenes Leben. Sie bittet, dass der geplante Pogrom verhindert wird.  Der König erkennt seine falsche Entscheidung und macht sie rückgängig.

Anhand der Psalmen bespreche ich die Frage, wie wir mit Ärger und eigenen Enttäuschungen gut umgehen sollen. Sollen und dürfen wir vor Gott schimpfen und jammern? Meine Antwort ist klar: Es ist zehnmal besser vor Gott zu schimpfen und sogar ihn zu beschimpfen, als dies mit Menschen zu tun. Gott hält unseren Ärger aus und verwandelt ihn.

 

Und Jesus? Bringt Jesus wirklich den Frieden?

Diese Frage ist ein Thema im berühmten Weihnachtsevangelium. Im tiefsten Kern geht es in diesen großen Bibelworten um die Frage, ob der mächtige Kaiser Augustus das Heil und den Frieden bringt oder der neugeborene Jesus. Als Herrscher des großen römischen Reiches steht Augustus für Macht und seine Volkszählung für die Kontrolle von oben. Der neugeborene Jesus hingegen erzählt von einem absoluten Neuanfang in unserer Welt. Sein Friede entsteht durch Liebe und nicht durch Erpressung, die andere mit Militärstiefeln unterjocht und zu einem Gewaltfrieden zwingt.

Der Blick auf Jesus ist für mich die beste Schule und Motivation für Friede und Versöhnung.

Mich fasziniert, dass Jesus in allen Fasern seines Lebens und Wirkens der Friede pur ist. Jesus bringt nicht nur den Frieden, er ist der Friede.

Mich fasziniert, dass Jesus in einer Welt der Angst und des Hasses das Vertrauen Gottes verkündet. Er lebt uns vor, dass die Kraft des Senfkorns mehr erreicht als ein lauter Schrei oder pure Gewalt.

Mich fasziniert, dass Jesus das Reich Gottes mit Worten und Taten verkündet.

Mich fasziniert, dass Jesus mit den Seligpreisungen Werte und Grundhaltungen formuliert, die eine friedliche und zufriedene Welt ermöglichen.

Mich fasziniert, wie Jesus uns Menschen zeigt, dass Versöhnung der wichtigste Schritt zur Heilung ist.

Mich fasziniert, dass Jesus Männer und Frauen beruft und mit ihnen exemplarisch das Reich Gottes gestaltet.

Mich fasziniert, dass Jesus nicht nur gute Worte an die Welt richtet, sondern selbst danach lebt und selbst das Wort Gottes ist.

Mich fasziniert, dass Jesus immer wieder betet. Er weiß sich verankert in der Beziehung zu seinem göttlichen Vater.

Mich fasziniert, dass Jesus nicht verbittert und enttäuscht wurde, obwohl er Ablehnung erfährt. Er setzt sein Leben von der Krippe bis zum Kreuz gewaltfrei für uns Menschen ein.

Mich fasziniert, dass Jesus mit seinen Freunden das letzte Abendmahl feiert und darin sein Leben und Sterben als große Antwort Gottes auf das Unheil der Welt deutet.

Mich fasziniert, dass Jesus auferstanden ist und damit für immer die Mauer des Todes und der Gewalt geöffnet hat.

Mich fasziniert, dass Jesus nicht nur mit Haut und Haaren den Weg des Heils und der Heilung gegangen ist, sondern selbst der Weg zum Leben in Fülle ist, stückhaft in dieser Welt und vollendet in Gottes Friede und Freude.

 

Warum dieser Titel „Worte, die Frieden stiften“

Der Titel erinnert an eine der Seligpreisungen Jesu: Selig, die Frieden stiften.

 

Wann haben sie die Zeit, ein Buch zu schreiben?

Meine Bücher entstehen im Gespräch mit Menschen. Im Rahmen meiner Tätigkeit als Pfarrer versuche ich, viele meiner Impulse und Predigten schriftlich zu formulieren. Das Schreiben hilft mir, Gedanken klarer zu fassen und Dinge auf den Punkt zu bringen.

 

Können sie fünf Tipps aus ihrem Buch zusammenfassend sagen:

Friede benötigt eine bewusste Entscheidung.

Friede beginnt oft mit Ehrlichkeit zu mir selbst.

Lieber mit Gott schimpfen als Menschen mit verletzenden Worten niedermachen.

Ich schätze die drei Zauberworte: Bitte, Danke, Entschuldigung.

Sich zu entschuldigen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.

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