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Predigt Das Gold unserer Mütter. Muttertag 2026

Evangelium: Johannes 14,15-21

 

Ich vermute, dass die meisten von euch schon in Venedig waren und natürlich auch im berühmten Markusdom. Ich vermute, dass viele das Kunstwerke „Pala d’Oro“ dort kaum es gar nicht kennen? Sie ist ein goldenes Altarbild aus dem 10. Jahrhundert.  Das 3,45 Meter breite und 1,4 Meter hohe Werk ist mit über 1.300 Perlen, 300 Smaragden, 300 Saphiren, 400 Granaten sowie Amethysten, Rubinen und Topasen besetzt. Das Goldbild ist eines der kostbarsten Werke der Goldschmiedekunst. Es befindet sich direkt hinter dem Hauptaltar im Markusdom.

Vor ca. 15 Jahren hatte ich mit dem Pfarrer vom Markusdom eine super Führung dort, bei der er uns alles genau gezeigt, natürlich auch die Pala d’Oro. Er hat erzählt, dass er oft mit Kindern die Pala anschaut. Diese staunen und fast immer fragt dann ein Kind: „Wie wertvoll ist dieses Goldbild?“ Er lässt dann die Kinder schätzen und sagt zuletzt: Ich weiß nicht ob sie 5 oder 10 oder 100 Millionen wert ist. Aber was ich sicher weiß: „Du und du und du … bist wertvoller!“ und dabei schaut er alle Kinder genau an. Und die Kinder leuchten.

 

Liebe Mamas. Ich möchte euch heute alle einzeln anschauen und sagen: „Du und du und du bist wertvoller als die berühmte Pala d´Oro in Venedig. Ihr seid als Mütter das Gold unserer Gesellschaft. Danke dafür und Gratulation.“

Vermutlich sagen uns spüren viele von euch: Ja, ich bin so dankbar, Mutter oder auch Oma sein zu dürfen. Das ist mehr wert als Millionen Euro. Auch für unsere Gesellschaft ist es wichtig, euer Gold zu sehen und zu pflegen und zu schätzen. Es ist wichtig, auch eure Zweifel und Unsicherheiten und vielleicht auch den Misserfolg ernst zu nehmen und gut zusammen zu halten.

 

Mir kommt vor, dass das heutige Evangelium dazu einige wertvolle Anregungen liefert. So möchte ich es mit folgenden Augen und Ohren lesen: Wie motiviert das Evangelium, gute und dankbare Mütter zu sein? Ich möchte drei Gedanken herausgreifen.

 

Hl. Geist als Beistand

Ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. (Johannes 14,16)

Liebe Mütter: Wer und was ist und war euer Beistand in der Aufgabe als Mütter? Wo habt ihr in der Freude in und der Überforderung Hilfe gesucht und gefunden?

Die Zusage Jesu vom Hl. Geist ist eine Hilfe und auch ein Trost: Ich muss nicht alles allein tun. Es geht im Leben auch darum, sich helfen lassen. So lade ich euch ein, immer wieder die Bitte auszusprechen: Gott hilf mir! Hl. Geist sei mein Beistand!

 

Liebe und Gebote

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. (Johannes 14,15)

Dieser wunderbare Satz Jesu drückt die höchste Verbundenheit in Liebe aus. Wo das gelingt, braucht es nicht hundert Gesetze. Die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält, sagt der Apostel Paulus im Kolosserbrief (3,14)

 

Liebe Mamas und Omas? Wie geht und ging es euch mit den Geboten und Abmachungen mit den Kindern? War es leicht, war es mühlselig?

Ich habe diese Woche von einem älteren Mann gehört, der große Probleme mit seinem Vater hatte. Auf die Frage, ob er das 4. Gebot kennt, hat er aggressiv geantwortet: „Hör mir auf mit dem! Ewige Dankbarkeit brauch i net!“ Sein Gesprächspartner hat daraufhin behutsam nachgefragt: „Weißt du wie der Satz vom 4. Gebot weitergeht? Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass du lange lebest und es dir wohlergehe auf Erden.“

Der zweite Teil des 4. Gebotes war dem Mann in seinem Ärger und seinen Verletzungen nicht bewusst. Das Gebot ist dazu da, dass es den Eltern und den Kindern gut geht. Es geht darum, dass Eltern und Kinder sich im Leben gegenseitig fördern und nicht einengen.

 

Mir wird die christliche Begründung der Liebe immer wichtiger. Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. (Johannesevangelium 15,12) Wir sollen und können lieben, weil wir zuerst geliebt sind. Die Liebe Jesu ist der erste Schritt, unsere Liebe die Antwort darauf.

Dann bin ich lockerer mit Auftrag: Liebt eure Kinder. Nicht deswegen, weil sie immer lieb sind – das stimmt nicht! – sondern weil sie immer Liebe brauchen.

 

Verbundenheit und Vertrauen

Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. (Johannes 14,20)

 

Ist das nicht ein schwieriger und unverständlicher Satz? Oder doch nicht?

Der Satz Jesu drückt auf jeden Fall Verbundenheit und Vertrauen aus.

Eine Mutter hat einmal zu mir gesagt: Wir Mütter sind in unsere Kinder vernarrt. Das liegt in unserer Natur. Sonst würden wir manches nicht packen. Aber weil es so ist, geht vieles super.

 

Theologisch erinnert der Satz Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch auch an die Dreifaltigkeit. Im dreifaltigen Gott gibt es die höchste Verbundenheit und das größte Vertrauen. Die Dreifaltigkeit ist Begründung und Basis für unsere Verbundenheit und das gegenseitige Vertrauen.

 

Liebe Mamas und Omas und mütterliche Menschen. Durch euch ist viel Gold im Umlauf. Danke dafür. Vielleicht muss euer Gold manchmal ähnlich geborgen werden wie beim Goldschürfen. Gott jedenfalls hat dieses Gold schön längst gefunden.

Details
  • Date: 10. Mai 2026
  • Preacher:
  • Passage: Johannes 14,15-21