Predigt Geduld lernen – geht das?
Description
Predigt Geduld lernen – geht das?
Evangelium Matthäus 13,24-43, So 19.7.2026
In China wird folgende Geschichte gerne erzählt:
Vor über tausend Jahren lebte in China ein ungeduldiger Bauer. Dieser baute Gemüse an und wollte schnellem Erfolg. Nachdem er seine Gemüse-Samen auf dem Feld ausgesät und ein paar Tage gewartet hatte, wollte er bereits ein Ergebnis sehen. So ging er auf sein Feld, um nachzusehen, ob die Pflanzen schon gewachsen waren. Zwar waren auf seinem Feld schon überall kleine Pflänzchen zu sehen, aber der Bauer war trotzdem enttäuscht. Er hatte gehofft, die Pflanzen wären schon viel größer. Ungeduldig ging er am nächsten Tag wieder auf das Feld, entfernte dort Unkraut und schaute nach den Pflanzen. Leider waren die Pflanzen auch an diesem Tag nur ein bisschen gewachsen.
Einige Tage später ging der Bauer erneut auf das Feld, um nach den Pflanzen zu sehen. Als diese wieder nur ein paar Zentimeter gewachsen waren, reichte es ihm. So konnte es nicht weitergehen! Er hatte eine Idee: Er lief schnell zum Feldrand und suchte dort eine Unkrautpflanze. Er zog an der Pflanze, bis sie größer geworden war. Dann schaute er sich das Ergebnis an und war mächtig stolz auf seine Idee. Die Unkraut-Pflanze war tatsächlich ein gutes Stück gewachsen. Das war die Lösung auch für sein Gemüse! Er rannte schnell zum Feld zurück und begann an den Gemüse-Pflanzen zu ziehen. Von seiner eigenen Genialität begeistert ging er von Reihe zu Reihe und zog an all seinen Pflanzen, bis sie die gewünschte Größe erreicht hatten. Dann ging er stolz über sein Feld und sah sich seine Leistung an. Alle Pflanzen waren durch sein Wirken mächtig gewachsen.
Begeistert rannte er nach Hause. Er erzählte von seinem Erfolg und forderte seinen Sohn auf, schnell aufs Feld zu gehen, um sich die Pflanzen anzusehen. Sein Sohn glaubte ihm jedoch nicht so recht und legte sich lieber schlafen. Am nächsten Morgen wurde der Sohn dann aber doch neugierig und machte sich auf den Weg zum Feld. Als er dort ankam, machte er jedoch eine schreckliche Entdeckung: Alle Pflanzen lagen am Boden und waren vertrocknet. Der ungeduldige Bauer hatte bei seinen Pflanzen die Wurzeln herausgerissen und sie auf diese Weise zu Tode gezerrt. (Geschichte aus China)
Vielleicht schmunzeln wir über diesen dummen und ungeduldigen chinesischen Bauern. Aber ist sein Handeln wirklich so aus der Luft gegriffen.
In China wird die Geschichte gerne Eltern erzählt mit der Anregung, sie sollen mit ihren Kindern Geduld haben und sie in Ruhe heranwachsen lassen. Sie müssen nicht meinen, dass diese mit zehn Jahren schon alles können und mit fünfzehn Jahren schon erwachsen sein müssen.
Tipps des Evangeliums
Damit sind wir ganz nahe beim heutigen Evangelium und seiner entlastenden Botschaft. In der Reihe der vielen Gleichnisse aus der Gleichnisrede Jesu (Matthäus 13) haben wir am letzten Sonntag das Gleichnis von Sämann gehört und heute die drei Gleichnisse vom Weizen und Unkraut, von Senfkorn und vom Sauerteig.
Ich glaube wir spüren alle die befreiende Botschaft dieser Worte Jesu:
Geduld: nichts muss sofort fertig sein
Keine Angst vor dem Unkraut: Die Antwort auf das Unkraut soll weder Davonlaufen noch Abkapseln in eine heile Welt sein, sondern die Konzentration darauf, die eigenen Wurzeln zu stärken. Darum geht es in der Unsicherheit des Lebens.
Keine Gleichmacherei: Jesus sagt nicht, dass das Korn und das Unkraut gleichwertig sind. Am Ende der Ernte zeigt sich der Unterschied.
Klein und Groß: Das Kleine ist gar nicht so klein. Der Sauerteig bewirkt so viel.
Details
- Date: 18. Juli 2026
- Preacher: Franz Troyer
- Passage: Matthäus 13,24-43