Predigt Gesucht – ein hörendes Herz
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Predigt Gesucht – ein hörendes Herz, Lesung: 1 Könige 3,5.7-12, 26. Juli 2026
Am 22. September 2011 hielt der damalige Papst Benedikt XVI in Berlin vor dem Deutschen Bundestag eine Rede. Dies war erstmalig, dass ein Papst in Deutschen Bundestag sprach. Spannend war natürlich auch, was der deutsche Papst sagte im Blick auf Demokratie, das Verhältnis Kirche – Staat und die Chance des christlichen Glaubens im 3. Jahrtausend.
Papst Benedikt XVI beim Bundestag in Berlin
Zur Überraschung einiger startete Papst Benedikt mit einer Bibelstelle aus dem Alten Testament, nämlich der heutigen Lesung, in der der junge König Salomon bei Gott einen Wunsch frei hat. Und was wünscht sich Salomon auch zur Überraschung Gottes: nicht Reichtum, Macht, Erfolg oder den Sieg über seine Feinde, sondern: Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit es dein Volk regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht. (1Kön 3,9)
Papst Benedikt leitet von dieser wunderbaren Bibelstelle im Blick auf unsere Welt und die Aufgabe der Politiker folgendes ab:
Das hörende Herz steht dafür, dass sich die Politik stehts auf die Menschenrechte als Voraussetzung allen staatlichen Handelns besinnen muss. Basis für Handeln eines Politikers soll ein hörendes Herz sein. Es geht nicht, dass Politiker sich selbst das Gesetz so machen, wie sie wollen. Diese Aussage ist aktueller denn je.
Würde des Menschen ist keine Frage des Mehrheitsprinzips. Benedikt betonte die christlichen Grundlagen der Menschenrechte, die auf der Idee der Gottebenbildlichkeit beruhen. Jeder Mensch ist geschaffen nach dem Bild und Gleichnis Gottes. Das hörende Herz kennt den Herzschlag dieser Würde.
Es braucht entschiedenen Einsatz für die Wahrung der Menschenrechte, die immer wieder von Ideologien oder Profitinteressen infrage gestellt werden. Leider auch hier – topaktuell.
Jede Christin, jeder Christ kann um ein hörendes Herz bitten, um sich im Kleinen und im Großen für eine menschenwürdige Welt einzusetzen
Ein hörendes Herz
In der Vorstellung der Bibel ist das Herz nicht so sehr Sitz der Liebe und der Gefühle, sondern vor allem der Vernunft und des Verstandes. Wir sprechen heute von „emotionaler Intelligenz“ und meinen damit, dass Klugheit und Wissen nicht nur strategische Fertigkeiten verlangt, sondern auch Einfühlungsvermögen und Interesse an einer Person oder Sache beinhaltet. Ein hörendes Herz kann schwierige Situationen nicht verhindern, aber es hilft, in solchen Situationen das Richtige zu tun sowie Gut und Böse zu unterscheiden. König Salomo beweist in seinem Leben immer wieder, das er ein hörendes Herz bekommen hat. Einmal kommen zwei Frau zu ihm, die um ein Kind streiten. Beide behaupten, die Mutter des Kindes zu sein. Nachdem er beide angehört hat, gibt er die Anweisung, das Kind zu teilen und jeder Mutter eine Hälfte zu geben. Daraufhin bittet eine der Frau, dies nicht zu tun, sondern lieber das Kind der anderen zu geben. An ihrer Reaktion merkt Salomo, dass sie die wahre Mutter ist. In seinem „salomonische Urteil“ übergibt er ihr das Kind.
Die Kunst des Hörens
Salomo bittet ausdrücklich um ein hörendes Herz, er weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist. Es geht darum, die Kunst des Hörens immer wieder neu zu üben. Dazu brauchen wir Zeit: Zeiten der Stille, des Schweigens und des Reifens. Wenn ich Gott im aufmerksamen Schweigen Raum gebe, dann geht mir auf, wie Gott mich liebt und welche Wege er für mich bereitet hat. Søren Kierkegaard meint dazu: „Als mein Gebet immer andächtiger wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich noch ein größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer. Ich meinte erst, Beten sei Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern Hören. So ist es: Beten heißt nicht, sich selber reden hören. Beten heißt still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“
Details
- Date: 25. Juli 2026
- Preacher: Franz Troyer
- Passage: 1 Könige 3,5-12