Beschreibung

Predigt Klug oder deppert?

Evangelium Matthäus 25,1-13, So 8. Nov 2020

 

Vieles ist spannend, einiges auch verwirrend beim heutigen Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen:

Zunächst fällt auf, dass alle zehn Jungfrauen beim langen Warten auf den Bräutigam einschlafen. Der Schlaf und ein kurzes Einnicken können also nicht das Problem sein!

Dann fällt auf, dass die klugen Jungfrauen mit den anderen ihr Öl nicht teilen. Das ist doch merkwürdig. Warum teilen sie nicht? Sind sie egoistisch?

Zuletzt ist verwunderlich, dass die Türen zum Hochzeitssaal versperrt bleiben. Warum dürfen die zu spät Kommenden nicht mehr hinein? Sie sind ja schon gestraft, dass sie nicht rechtzeitig da waren und den feierlichen Einzug von Braut und Bräutigam mit dem Ehrengeleit verpasst haben.

Wir sehen: Da steckt wie so oft bei dem Gleichnissen Jesu mehr dahinter. Für mich läuft beim Gleichnis alles auf zwei Botschaften hinaus:

 

Zu spät!

Die törichten Jungfrauen kommen zu spät und bleiben dann vor verschlossenen Türen.

Ja, es gibt auf dieser Welt Ereignisse, wo ich für immer zu spät komme und keine neue Chance mehr daherkommt. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, hat im Oktober 1989 Michail Gorbatschow zum Staatschef der damaligen DDR, Erich Honecker, gesagt. Bald darauf löste sich die DDR auf.

Jemand hat diese Woche vorgeschlagen, das Wort töricht umzutauschen in unser Dialektwort „deppert“. Diese fünf Jungfrauen seien deppert, weil sie sich immer alle Türen offenlassen wollen und fast alles nur halbherzig tun. Depperte Menschen begehen keine großen Einzelfehler, aber versäumen durch ihre Art oft das Wesentliche und leben ständig auf Kosten anderer.

 

Ölvorrat als Grundhaltung

Mein Augenwerk geht auf die zweite Beobachtung, auf das Öl im heutigen Gleichnis:  Die klugen Jungfrauen haben genüg Öl, die törichten nicht.

Was ist mit dem Öl, dass ihnen fehlt, gemeint? Warum ist es nicht möglich, dass die depperten Jungfrauen schnell von den klugen Jungfrauen etwas Öl bekommen?

 

Man hat beim Gleichnis den Eindruck, dass ich dieses Öl nicht schnell kaufen kann.

Es ist etwas, dass ich in kleinen Portionen bekomme.

Dieser Ölvorrat füllt sich durch meine eigenen guten Taten.

Er ist eine Grundhaltung, eine Tugend, die ich mir angewöhnen muss, damit sie auch in Krisenzeiten hält und Halt gibt.

Vielleicht hilft zur Verdeutlichung für diese Grundhaltung eine andere Bibelstelle aus dem Matthäusevangelium: So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen. (Mt 5,16)

 

Wo dieses Öl da ist, da hilft das Licht der Solidarität

Wo dieses Öl da ist, da geht das Licht der Dankbarkeit nicht verloren.

Wo dieses Öl da ist, da spendet das Licht der Barmherzigkeit Trost und Gelassenheit

Wo wir dieses Öl erwerben, da leuchtet das Licht der Wärme

Wo wir dieses Öl erwerben, da erstrahlt das Licht er Freude

 

Liebe Kinder und Jugendliche:

Auch deswegen bin ich so bemüht, euch durch regelmäßige Treffen zu fördern, damit ihr euch gute Grundhaltungen angewöhnt und dann Halt erlebt, um in schwierigen Zeiten nicht haltlos zu werden.

 

So möchte ich euch heute die Frage mitgeben:

Bin ich ein Mensch, der täglich in kleinen Schritten das Licht sucht oder lieber jemand, der im Dunkeln munkelt?

Wo komme ich zu spät?

Wo lebe ich auf Kosten anderer?

Was tue ich, um meine Tugenden und Grundhaltungen zu formen?

Details
  • Datum: 8. November 2020
  • Prediger:
  • Bibelstelle: Matthäus 25,1-13