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Predigt Römerbrief

Lesung Röm 6,3-4.8-11, 28.6.2026

 

„Ro koko gal eph phi kol thesthes timtim ti“

Diesen Spruch habe ich vor bald 50 Jahren im Gymnasium gelernt; um die Briefe des Apostels Paulus auswendig aufzählen zu können.

Ro – Römer

Koko – Korinther 1 und 2

Gal – Galater

Eph – Epheser

Phi – Philipper

Kol – Kolosser

ThesThes – Thessalonicher 1 und 2

TimTim – Timotheus 1 und 2

Ti – Titus

Und dann noch der Philemonbrief und Hebräerbrief

 

Wir hören an den Sonntagen jetzt im Monat Juni und auch im Juli und August als zweite Lesung immer Texte aus dem Römerbrief. Das regt mich an, heute einige Informationen zu diesem wichtigen Brief zu formulieren.

 

Christliche Gemeinschaften in Rom

Zunächst: Ist euch beim Verkünden der Lesungen aufgefallen, dass es nicht mehr heißt: „Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer“, sondern „Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom“. Damit wird betont, dass Paulus nicht an eine Behörde oder allgemein an eine Stadt schreibt, sondern an eine konkrete Gemeinschaft von Christen und Christinnen vor Ort. Am Ende des Briefes werden 28 Personen namentlich genannt.

Paulus schreibt den Brief an die Römer von Korinth aus im Winter 56/57, kurz bevor er nach Jerusalem zurückgekehrt, wo er gefangen genommen wird, längere Zeit im Gefängnis ist und dann als Gefangener nach Rom kommt.

 

Kernbotschaft des Briefes

Der Römerbrief gehört zu den theologisch dichtesten Aussagen der Bibel.

Paulus reflektiert hier auf höchstem Niveau das Geschenk unseres Glaubens und der Verbundenheit mit Jesus Christus. So ist es kein Wunder, dass die Beschäftigung mit dem Brief für Martin Luther zum Schlüsselerlebnis wurde.

Man könnte den Brief zusammenfassen mit den Worten: Wir Menschen sind von Gott bedingungslos geliebt, wir müssen unseren Wert nicht mit Leistung beweisen. Gott schenkt die Gerechtigkeit allein aus Gnade, allein durch Glauben, allein in Christus. Diese Gerechtigkeit verändert unser ganzes Leben, sie ist sozusagen ein neues positives Vorzeichen zu unserem Leben. „Du bist durch die Liebe Jesu Christi schon verwandelt. Die Liebe Christi gilt dir, schon bevor du dich verändert hast.“ (Anselm Grün)

Wichtige Schwerpunkte im Brief:

Alle Menschen sind Sünder (Kap. 1–3), sowohl Heiden als auch Juden. Niemand besteht vor Gott aus eigener Leistung.

Die Rechtfertigung geschieht aus dem Glauben (Kap. 3–5): Statt alle Menschen zu bestrafen, wie sie es verdient hätten, schickt Gott den Menschen seinen Sohn Jesus Christus.

Im Geist Gottes erhalten wir das neue Leben (Kap. 6–8): Wir sind nicht mehr Sklaven der Sünde; der Heilige Geist gibt Kraft zum neuen Leben.

Gottes Plan mit Israel (Kap. 9–11): Die Treue Gottes zu seinem Volk bleibt bestehen, Gott kündigt seinen Bund mit Israel nicht auf.

Der hochtheologische Brief schließt mit praktischen Anregungen zum Alltag (Kap. 12–15): Es geht um die zentralen Themen Hingabe, Liebe, Umgang mit Feinden und auch das Verhältnis zum Staat.

 

Einige Lieblingssätze aus dem Brief

Zum Abschluss einige Lieblingssätze, die mir immer wieder einfallen:

 

Heutige Lesung, auch Lesung in der Osternacht

Die heutige Lesung wird auch in der Osternacht verkündet.

Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln.

Hier zeigt sich die Chance und das Ziel der engen Verbundenheit mit Jesus.

Jesus hat eine Spur gelegt, es geht darum, dieser zu folgen.

 

Gebet, Vateranrede

Ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in den wir rufen: Abba, Vater. (8,15)

Dieser Satz fällt mir oft beim Beten des Vaterunsers ein.

 

Bei Krankensalbung

Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. (8,22)

Hier formuliert Paulus den schönen Gedanken der Vollendung im Tod. Der Tod wird verglichen mit der Geburt ins neue Leben hinein, das noch viel größer und heller sein wird als das jetzige Leben auf Erden.

 

Praktische Tipps für Alltag

Vergeltet niemanden Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht! Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden.

Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. (12,15-18)

Wer dies zu leben versucht, hat viel vom hochtheologischen Römerbrief verstanden.

Details
  • Date: 27. Juni 2026
  • Preacher:
  • Passage: Römer 6