Predigt Talentesonntag. Pfarrfest 2026
Description
Predigt Talentesonntag. Pfarrfamilienfest 2026
Evangelium: Matthäus 25,14-30; Gleichnis von den Talenten
Der indische Dichter und Philosoph Rabindranath Tagore erzählt folgende Geschichte: Ich ging als Bettler von Tür zu Tür die Dorfstraße entlang. Da erschien in der Ferne ein goldener Wagen wie ein schimmernder Traum, und ich fragte mich, wer dieser König der Könige sei. Der Wagen hielt genau vor mir an. Der Blick des Königs fiel auf mich, und mit einem Lächeln stieg er aus. Was für ein Glück für mich! Dann streckte der König plötzlich die rechte Hand aus und sagte: „Was hast du mir zu schenken?“ Welch königlicher Scherz war das, bei einem Bettler zu betteln! Ich war verlegen, stand unentschlossen da, nahm schließlich aus meinem Beutel ein winziges Reiskorn und gab es dem König. Doch wie groß war mein Erstaunen, als ich am Abend meinem Beutel umdrehte und zwischen dem wertlosen Plunder das kleine Korn wieder fand – zu Gold verwandelt. Da habe ich bitterlich geweint, und es tat mir leid, dass ich nicht den Mut gefunden hatte, dem geheimnisvollen König alles zu geben.
Da hat ein Bettler seine große Chance verpasst. Er meinte, er sei so arm und hilflos und habe nichts zu geben. Die anderen müssen ihm etwas geben und nicht umgekehrt. Der Bettler steht für uns alle. Seine Haltung gibt es auch unter uns: Ich habe nichts zu geben, die anderen haben ja viel mir. Ich bin zu kurz gekommen im Leben, die anderen haben es viel leichter.
Die Angst des dritten Knechtes
Vielleicht ging es dem dritten Knecht im heutigen Evangelium von den Talenten ähnlich: Er hat ein Talent bekommen – das sind ca. 20 Jahresgehälter, die anderen zwei oder sogar fünf. Er hat seine Chancen nicht genützt und sein Talent aus Angst vergraben: Es spricht Bände, was der dritte Knecht zum König sagt: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder.
Ich frage mich: Was wäre gewesen, wenn der Knecht mit dem einen Talent alles riskiert hätte und sein Talent verspielt hätte? Hätte ihn da der Herr auch getadelt? Ich glaube nicht, und das ist die große Mut-Zusage des heutigen Evangeliums: Hab den Mut, deine Talente zu nützen und zu teilen, es werden dann nicht weniger, sondern mehr.
Warum macht der Herr Unterschiede
Der Gutsherr gibt dem einen fünf Talente, dem nächsten zwei und dem Dritten eines. Im Bibeltext heißt es: „jedem nach seinen Fähigkeiten“. Ist das nicht ungerecht? Vielleicht hilft hier folgende Geschichte: Ein junger Mann war bei einem älteren Freund zu Gast, dessen Gerechtigkeitssinn gerühmt wurde. Er sah, wie der ältere Freund mit seinen Kindern umging, und er wunderte sich sehr: „Du sagst, dass du jedes deiner Kinder so liebst wie das andere. Nun sehe ich aber, dass du sie unterschiedlich behandelst. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?“ „Sie besteht darin“, antwortet der Ältere, „dass ich mich bemühe, jedem Kind gerecht das zuzuteilen, was es braucht. Würde ich sie alle gleich behandeln, wäre ich wohl sehr ungerecht.“
Ganz nüchtern: Es stimmt, die Talente sind bei uns Menschen verschieden verteilt und nicht alle Menschen haben die gleichen Vorrausetzungen und Chancen. Gleichzeitig gilt. Alle haben Talente. Es ist nicht hilfreich, wenn Menschen nur beim Vergleichen hängen bleiben und dann meist zum Punkt kommen: die anderen haben viel mehr, ich kann nichts.
Talente- Sonntag
Ich staune oft, was Menschen für Talente haben. Das macht das Leben und die Pfarre bunt. Ich kenne keinen Menschen, der kein Talent hat; ganz im Gegenteil, die verborgenen Menschen haben oft ganz edle Talente. Es ist für mich auch eine Freude zu sehen, wie sich Talente ergänzen und wir als Pfarre die reinste Talentebörse sind. Bitte bringe deine Talente in die Gesellschaft ein und vergrabe sie nicht.
Heute beim Pfarrfest möchte ich einige Talente herausgreifen und bitten, mit diesem Talent in unserer Pfarre mitzuarbeiten:
Mithilfe als Mesner und Mesnerin
Ca einmal pro Monat; z.B. am Freitag 18 Uhr, Sa 18 Uhr, So 10 Uhr oder bei einem Begräbnis am Nachmittag. Die derzeitigen MesnerInnen schulen dich gerne ein.
Mithilfe als Kommunionhelfer und Kommunionhelferin
Hast du eine große Liebe zur Hl. Messe und zur Hl. Kommunion? Du kannst dieses Geschenk an andere weitergeben, bei der Hl. Messe oder auch bei einer Krankenkommunion. Im Herbst wird es eine Schulung geben.
Mithilfe bei den Geburtstagsbesuchen
Zum runden Geburtstag bringen wir unseren älteren Menschen eine Grußkarte mit einem kleinen Geschenk ins Haus. Wir zeigen damit, dass wir sie nicht vergessen. Hast du Zeit und Lust einige Besuche im Namen der Pfarre zu machen?
Mitglied im Pfarrgemeinderat
Eine Pfarrgemeinderatsperiode dauert 5 Jahre. Es geht darum, sich in dieser Zeit für ein Anliegen besonders einzusetzen und dafür ganz konkret Verantwortung zu übernehmen. Es geht auch darum, im Team des gesamten Pfarrgemeinderats und im Seelsorgeraum gute Entscheidungen zu treffen
Am Schaukasten draußen hängt die Liste mit den vier Talenten. Hab den Mut, dich dort einzutragen. Oder melde dich in den kommenden Tagen im Pfarrbüro oder bei unserem MitarbeiterInnen.
Details
- Date: 13. September 2026
- Preacher: Franz Troyer
- Passage: Matthäus 25,14-30