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Predigt Hey Gott, i will di was frogn – Gottesferne und Gottesnähe

Patrozinium Erzengel 2026, Lesung: Exodus 3,1-10; Evangelium: Johannes 1,47-51

 

Am letzten Freitag war ich nach dem Eröffnungsgottesdienst mit dem Kindergarten und der Volksschule Oberlienz auch noch auf Besuch in der Schule und im Kindergarten. Im Kindergarten hat ein Kind in der Tür schon auf mich gewartet. Wie ich dann in den Raum kam, hat es sofort herausgerufen: „Hey Gott, i will di was frogn!“ Und dann kam die Frage, wann auch es die Hl. Kommunion bekommen darf.

Ich musste schmunzeln über die Selbstverständlichkeit, den Pfarrer mit dem lieben Gott gleichzusetzen, auch über die Vorstellung, dass man mit dem lieben Gott gleich reden kann wie mit einem Menschen.

 

So meine Frage:

  • Kann ich mit dem lieben Gott reden, ihn genauso anreden, wie es das Kind mit mir getan hat?
  • Wie würdest du sagen: Ist unser christlicher Gott ein naher Gott oder ein ferner Gott?
  • Wir gelingt es, mit Gott eine Nähe aufzubauen und ihn zu spüren?

Auf jeden Fall klagen Menschen immer wieder, dass für sie Gott so fern ist, dass sie deshalb gar nicht sicher sind, ob es Gott überhaupt gibt.

 

Ein Engel im brennenden Dornbusch

Ein Blick auf die Bibel zeigt, dass unser Gott gleichzeitig ein naher Gott ist und ein ferner Gott. Für die biblischen Menschen ist er oft gleichzeitig der ganz ferne und der ganz nahe.

Ein wunderbares Beispiel ist dafür die Erzählung vom brennenden Dornbusch, die wir heute als Lesung gehört haben. Mose sieht in der Wüste einen brennenden Dornbusch, er ist neugierig und geht hin: Zunächst wird der Kontakt zwischen Gott und Mose durch einen Boten hergestellt, einen Engel: Dort erschien ihm der Engel des HERRN in einer Feuerflamme mitten aus dem Dornbusch (V 2) Gott benötigt demnach zunächst einen Engel, einen Boten, um den Kontakt zum Menschen herzustellen. Im zweiten Schritt wird beschrieben, dass Gott direkt mit Mose redet.

 

Es wiederholt sich in der Bibel immer wieder, dass Gott Engel schickt, um den Kontakt herzustellen. Engel bezeugen damit beides: Die Gottesnähe, da sie von Gott gezielt gesandt werden, aber auch die Gottesferne, da Gott nicht unmittelbar und direkt erfahrbar ist.

 

Daraus ergibt sich für mich die Frage: Wie kommt Gott in unsere Welt? Wie wird Gott von uns Menschen erfahren?

Die Namen der drei Erzengel sind für mich eine gute Antwort darauf:

Gabriel – Gott kommt und wird dann hoffentlich erlebt, wenn seine Frohe Botschaft verkündet wird

Raphael – Gott kommt und wird dann hoffentlich erlebt, wenn Heilung geschieht.

Michael – Gott kommt und wird dann hoffentlich erlebt, wenn Gerechtigkeit gelingt.

 

Gabriel – Gott kommt mit seinem Wort

Der Erzengel Gabriel verkündet dem Zacharias, dass er und seine Frau Elisabeth Eltern werden. Er kommt dieser Botschaft auch zur Gottesmutter Maria.

Der Engel Gabriel kündet Gottes Plan, die Welt zu erlösen. Er ist der Engel der frohen Botschaft, auch wenn auffällt, dass sowohl Zacharias als auch Maria zunächst erschrecken, wie er zu ihnen kommt.

 

Gottesbegegnung durch das Wort Gottes, durch die Bibel. Hast du das Gefühl, etwas mit Gott zu tun, wenn du in der Bibel liest und bei der Hl. Messe Worte aus der Bibel hörst.

Wir werden in den kommenden Monaten aufgrund der Krankheit unseres Vikars Stefan Bodner öfters Wortgottesfeiern haben. Ich wünsche euch immer mehr Gespür die behutsame Gegenwart Gottes in seinem Wort.

 

Raffael – Gott schenkt Heilung an Leib und Seele

Körperliche und seelische Verletzungen prägen unser Leben. Leider fügen sich viele Menschen gegenseitig Verletzungen zu.

Der Engel Rafael zeigt: Heilung ist möglich, aber oft ein langer Weg. Er ist so lang wie den Weg, auf dem der Engel Rafael den jungen Tobias begleitet hat.

Ich frage mich oft, wie uns die heilende Dimension unseres christlichen Glaubens öfter und besser unterstützen kann: bei der Versöhnung, beim Tragen von Lasten.

Gott schickt Menschen, die heilen. Hier müssen wir dranbleiben.

Dann ist Gott besser spürbar.

 

Michael – Gottesbegegnung durch Einsatz für Gerechtigkeit – Michael – Macht und Ohnmacht Gottes

Der hebräische Name Michael – mi-cha-el – bedeutet: Wer ist Gott? Wer ist wie Gott?

Der Erzengel Michael ist der Engel der Gerechtigkeit. Mit seiner Waage weißt er hin auf die göttliche Gerechtigkeit. Michael ist mit seiner Waage auch der Engel der Gerechtigkeit. Er setzt sich ein, dass Gerechtigkeit geschieht.

Das Reich Gottes wächst, wenn Gerechtigkeit geschieht und wieder hergestellt wird. Hier ist derzeit in unserer Welt viel zu tun. Es benötigt viele Michaels und Michaelas

 

Christus als Gottesbegegnung mit Hand und Haaren

Ich habe die Frage nach dem nahen und ferner Gott. Am besten greifbar und sichtbar kommt Gott in Jesus in diese Welt.

Das heutige Evangelium beschreibt wunderbar, wie sich über und durch Jesus der Himmel öffnet und die Engel Gottes auf und nieder steigen. Jesus hat die Tür geöffnet, dass sich Himmel und Erde begegnet. Er macht den unendlich großen Gott angreifbar und begreifbar.

Er macht möglich, dass jemand sagen kann: Hey Gott, i will mit dir reden.

Details
  • Date: 29. September 2026
  • Preacher:
  • Passage: Johannes 1,47-51