Ägypten – Großstadt Kairo und Wüste Sinai

Reisebericht von Dekan Franz Troyer

Wenn du an Ägypten denkst, was fällt dir sofort ein: Pyramiden, Fluss Nil, Wüste, Kleopatra, Mumien und weltberühmte Kunstwerke, arabischer Frühling oder vielleicht einzeln Menschen aus Ägypten, die du kennst?

Im Feber 2026 war eine Reisegruppe des Tiroler Sonntags in Ägypten, um auf den Spuren der Pharaonen, der Römer und der ersten Christen zu wandern. Ein wichtiger Teil der Reise war der biblische Blick auf Moses, die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei und die vierzigjährige Wüstenwanderung.

Gruppenfoto mit Reisebegleiter Franz Troyer und Fiona Föhrer
Gruppenfoto mit Reisebegleiter Franz Troyer und Fiona Föhrer

Kairo – Stadt der Gegensätze

Die Millionenstadt Kairo (20 – 25 Millionen Einwohner?) lässt sich kaum beschreiben. Kairo ist auf jeden Fall eine Stadt voller Gegensätze und mit vielen Gesichtern. Die Straßen sind bei Tag und Nacht überfüllt mit Autos, überall wachsen Neubauten aus dem Boden. Kairo zeugt von großem Reichtum und von Armut und Leid. Ca. 300.000 Menschen „wohnen“ in zwei großen Friedhofsbezirken mitten unter den Gräbern und bilden die Stadt der Toten. Die Müllmenschen von Kairo leben vom Müllsammeln. Sie und ihre Tiere essen Müll. Mit ihrer „Arbeit“ sorgen sie dafür, dass viel Müll wiederverwertet wird.

Die Christ:innen von Kairo prägten über viele Jahrhunderte das Leben der Stadt. Die meisten von ihnen sind koptische Christen. In den letzten Jahrzehnten ging ihr Bevölkerungsanteil leider stark zurück.

Mitten in dieser Stadt besuchten wir die deutsche Schule der Borromäerinnen mit Schülerinnen, die sehr zielstrebig sind, eine gute Ausbildung zu bekommen. Mitten in dieser Stadt genossen wir auf einem vornehmen Hügel ein gutes Mittagessen und schauten auf die Stadt der Toten herab. Mitten in dieser Stadt trafen wir bei einer Felukenfahrt auf dem Nil den ORF-Journalisten Karim El-Gawhary und erfuhren von ihm einige Hintergründe zum Nahostkonflikt.

Treffen mit Karim El-Gawhary am Nil
Treffen mit Karim El-Gawhary am Nil

Kultur der Alten Ägypten

Das neue ägyptische Museum in Kairo ist derzeit wohl das größte und modernste Museum der Welt. Die 11 Meter hohe und 80 Tonnen schwere Statue des Pharao Ramses II (1279-1213 v. Chr.) empfängt in der monumentalen Eingangshalle die Besucher:innen. Das Museum zeigt mit tausenden Beispielen, welche Hochkultur Ägypten bereits vor 3000 Jahren prägte mit großen Bauwerken, der Hieroglyphenschrift und vielem mehr. Die Pyramiden wurden vor 4500 Jahren gebaut, die Grabbeilagen des Pharao Tutanchamun (1332-1323 v. Chr.) sind wohl eine der größten Goldsammlungen der Welt. Es bleibt die Frage: Warum ging diese alte Kultur unter, sodass Ägypten die Selbstständigkeit verlor und bereits von den Assyrern, Griechen und Römern beherrscht wurde? Lernt der Mensch von der Geschichte?

Neues ägyptisches Museum in Kairo mit der Ramsestatue
Neues ägyptisches Museum in Kairo mit der Ramsestatue

Wüstenklöster und erste Christen

Sehr früh bildete Ägypten ein Zentrum der ersten Christ:innen. Der Tradition nach kam der Evangelist Markus nach Ägypten und lebte und wirkte in Alexandria. (Seine Gebeine kamen im Jahr 828 nach Venedig). Der Bischof von Alexandria war in der Urkirche neben dem Bischof von Jerusalem, Antiochia, Konstantinopel und Rom einer der führenden Bischöfe. In Ägyptern entwickelte sich auch das christliche Mönchstum. Der Hl. Antonius von Ägypten (251-356 n. Chr.) und der Hl. Paulus von Theben (228 – 341 n. Chr.) gelten als die ersten christlichen Mönche. Ihr Leben und ihre Mönchsregeln prägten die spätere Mönchsbewegung in Syrien (z.B. der Säulensteher), Frankreich (z.B. Hl. Martin) und Italien (z.B. Hl. Benedikt). Die ersten Mönche zogen sich aus den Städten zurück, um in der Einsamkeit Gott zu suchen und zu finden. Teilweise flüchteten sie enttäuscht von der unruhigen „bösen“ Welt. Wir besuchten in der ägyptischen Wüste zwischen Nil und rotem Meer die beiden Wüstenklöster des Hl. Antonius und Paulus.

Koptischer Mönch im Antoniuskloster
Koptischer Mönch im Antoniuskloster

Das Katharinenkloster am Sinai beeindruckte uns mit der reichhaltigen Geschichte, der ehrwürdigen Kirche und den alten Ikonen und Bibelhandschriften.

Uns beschäftigte die Frage: Wie gelingt es, mitten im Wirbel der heutigen Zeit und meines Lebens offen für Gott zu sein? Wie kann ich meine Sehnsucht nach Sinn im Leben besser spüren und als Motivation für Lebensentscheidungen nützen.

Katharinenkloster am Sinai
Katharinenkloster am Sinai

Exodus und Gotteserfahrung am Sinai

In der Schule erzählte ich den neunjährigen Kindern alljährlich ausführlich von Mose. Auf die Frage, was ihnen an dieser großen biblischen Gestalt besonders gefällt, kommen jedes Jahr ähnliche Antworten: sein Stab; sein Glaube; dass er nie aufgegeben hat; dass er immer betet, wenn er Probleme hat; dass er anderen hilft, dass er so viel Mut hat und sich um alle kümmert. Am meisten beeindruckt die Kinder, wie Mose mit dem ständigen Murren und Jammern seines Volkes umgeht. Mose hat bei der Erfüllung seiner großen Aufgabe wahrlich mit Widerstand von außen und innen zu kämpfen. Äußere Feinde wie der ägyptische Pharao oder das Volk der Amalekiter und Midianiter versperren den Weg. Zu den äußeren Feinden kommen Gegner im eigenen Volk hinzu, die für Mose zermürbender und bedrohlicher sind als die äußeren Feinde. Die große Menge der Israeliten reagiert bei jedem auftauchenden Problem ähnlich und klagt, dass sie lieber bei den Fleischtöpfen in Ägypten geblieben wären. Sie wirft dem Mose sogar vor, dass er mit dem Pharao im Bunde sei und sie zum Sterben in die Wüste geführt habe. Was für ein Misserfolg, wenn das Volk unter der Leitung seines Bruders Aaron ein goldenes Kalb gießt, damit es wie alle Völker einen sichtbaren Gott hat und diesen anbeten kann (Exodus 32).

Wir durften mit dem Auto bequem vom Suezkanal durch die Wüste Sinai zum Bergmassiv des Sinai fahren und dort am Abend vom Katharinenkloster zum Mosesberg (2285 m) hinaufsteigen. Der Sonnenuntergang dort gehört zu den Erlebnissen, die für immer im Gedächtnis bleiben.

Sonnenuntergang am Berg Sinai
Sonnenuntergang am Berg Sinai

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