Predigt Heilige sind nicht perfekt, aber sie stellen sich zur Verfügung. Allerheiligen 2026
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Predigt Heiligen sind nicht perfekt, aber sie stellen sich zur Verfügung. Allerheiligen 2026
Evangelium Matthäus 5,1-11
„Es geht nicht um Perfektion, sondern um die Bereitschaft, sich zur Verfügung zu stellen.“ So die Worte des neuen Wiener Erzbischofs, nachdem er lange mit sich selbst gerungen hat, ob er für diesen große und wichtige Amt als Erzbischof von Wien geeignet ist. Er sah sich zunächst überfordert und lehnte ab. Und dann nach vielen Gesprächen der befreiende Gedanke für sich selbst und auch die Erzdiözese Wien: „Es geht nicht um Perfektion, sondern um die Bereitschaft, sich zur Verfügung zu stellen.“
Heilige und Perfektion
Ich möchte heute am Allerheiligenfest diesen Gedanken auf Heilige übertragen.
Bei Heiligen und beim Heiligsein und Heiligwerden geht es nicht um Perfektion, sondern um die Bereitschaft, sich zur Verfügung zu stellen.
Viele Heilige wussten, dass sie nicht perfekt sind. Manche von ihnen haben sogar größere Fehler gemacht. Der Hl. Paulus etwa war bei der Steinigung des Stephanus beteiligt und verfolgte zunächst die Christen. Manche der Heiligen hatten Schwächen, die ihr ganzen Leben geprägt haben und die sie trotz ihrer Frömmigkeit nicht ändern konnten.
Viele Heilige sahen sogar im Perfektseinwollen die Gefahr, alles selber leisten zu wollen und überall der Beste oder die Beste zu sein und dann die Gnade und Barmherzigkeit Gottes zu vergessen. Bei Gott geht es nicht um Perfektion. Einzig Gott ist perfekt.
Aber jetzt kommt das Entscheidende. Die Heiligen haben Zeit und ihr ganzes Leben einem großen Anliegen und Gott zur Verfügung gestellt und mit viel Freude und Ausdauer sich dafür eingesetzt.
Sie haben sich unermüdlich um Kranken gekümmert.
Sie hatten ein großes Herz für die Armen.
Sie haben nicht aufgegeben, für die Jugendlichen zu sorgen.
Als Friedensstifter waren sie oft Jahrzehnte dran, bis ein erster Erfolg eintraf.
Sich zur Verfügung stellen und die Seligpreisungen
Ich möchte den Gedanken, dass es nicht darum geht, perfekt zu sein, sondern sich zur Verfügung zu stellen, auf die großen Seligpreisungen übertragen, die wir alle Jahre zu Allerheiligen hören:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Heilige haben das Vertrauen, dass ihr Reichtum in Gott liegt. So müssen sie nicht ständig nach Besitz gieren oder jammern, dass sie zu wenig haben.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Mit Trauern sind nicht Menschen gemeint, die ständig ein jammerndes Gesicht haben und möglichst viel trauern. Das hilft niemandem weiter. Es geht darum, sich in die Not anderer hineinfühlen zu können und ihnen zu helfen. Was für ein Segen, gerade in den Tagen rings um Allerheiligen und Allerseelen.
Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.
Heilige setzen nicht auf Gewalt und Härte, sondern auf das Kleine und Zarte.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.
Ich weiß nicht, ob ich in manchen Staaten, in denen es derzeit sehr viel Ungerechtigkeit gibt, nicht das Vertrauen und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft verlieren würde. Heilige geben nicht auf, von einer besseren Welt zu träumen. Sie setzen sich ein, dass schon auf dieser Welt der Himmel beginnt. Wer will, dass die Welt so bleibt wie sie ist, will nicht, dass sie ist.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Heilige sind fähig, mit den Fehlern der anderen und der eigenen zu leben. Besserwisser und hartherzige Menschen haben noch nie die Welt verbessert.
Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.
Heilige wissen, dass es nicht gut ist, ihr Inneres mit schlechten Gedanken zu füttern. Ihr Innerstes ist kein hochexplosives Pulverfass, sondern eine Quelle der Liebe.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
Ich bewundere die Friedenstifter und ihre Ausdauer. Gemeinschaft der Heiligen bedeutet, einander zu helfen, zu vergeben, füreinander zu beten und einander Gutes zu tun
Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. So wurden nämlich schon vor euch die Propheten verfolgt.
Hier werden nicht Nachteile oder Verfolgungen verherrlicht, wohl aber jene Menschen, die sich nicht erpressen lassen, sondern sich für ihre Überzeugung hinstellen. Sie nehmen um der guten Sache willen und Jesu willen sogar Nachteile auf sich.
Piere Stutz meint: „Heilig werden heißt:
Ein Leben lang Ja sagen
Zum Licht und zum Schatten
Zum Leben und zum Sterben
Zum Abschied und zur Auferstehung
Zu Mensch und zu Gott
Zu sich und der Welt“
Details
- Date: 1. November 2026
- Preacher: Franz Troyer
- Passage: Matthäus 5,1-11