Description

Predigt Unser Tod und der Tod des Heiligen Franziskus.

Friedhof Allerheiligen 2026; Evangelium: Seligpreisungen Jesu Matthäus 5

 

Warst du schon einmal beim Sterben dabei, bei deiner Mama, Papa, bei Oma oder Opa, bei deinem Partner, vielleicht sogar bei einem Kind? Wie hast du diese wichtigen Stunden in Erinnerung?

Beim Vorbereitungsgespräch für das Begräbnis erzählen mir die Angehörigen oft, wie die letzten Tage und Stunden des oder der Verstorbenen verlaufen sind.

Sie berichten von den letzten Worten und Zeichen, die sie manchmal wie einen Schatz und wie ein Testament im Herzen bewahren.

Sie erzählen vom letzten Händedruck oder dem zarten Streicheln des Gesichtes.

Ab und zu beschreiben Angehörige, wie schwierig es war, das Leiden der Sterbenden anzusehen und nichts tun zu können. Sie drücken dann die Erleichterung aus, dass mit dem Tod die schlimmen Schmerzen vorbei sind. „Wir gönnen der Mama jetzt den Frieden und dass sie nicht mehr leiden muss.“

Viele Angehörige empfinden es als Geschenk, dass sie beim Sterben dabei sein konnten. Sie betonen, wie dankbar sie dafür sind, auch dass sie jetzt viel freier und lockerer auf den eigenen Tod blicken. „Ich habe jetzt nicht mehr so viel Angst vor dem Sterben!

Immer wieder kommt es auch vor, dass jemand bewusst allein sterben will. Die Angehörigen, die oft wochenlang tagein tagaus am Krankenbett waren, sind einen kurzem Moment weg und genau in diesen Minuten stirbt jemand. Ich bin überzeugt. Auch das passt und erzählt davon, dass jeder Mensch einzigartig ist und oft auch einzigartig stirbt.

 

Wertvolle Stunden rings um den Tod

Ja, rings um den Tod unserer Liebsten verdichtet sich oft die Zeit. Die Stunden und Minuten sind unendlich wertvoll und herausfordernd zugleich. Ich kann nur sagen:

Bitte versucht, diese Zeit zu nützen.

Habt keine Scheu und Angst, Sterbende zu besuchen und zu begleiten. Es ist für die Sterbenden so wichtig und auch für euch selbst.

Ich jedenfalls bin sehr froh, dass ich die letzten Tage und Stunden meiner Eltern miterleben durfte.

An dieser Stelle auch ein großes Vergelts Gott und Danke an alle, die beruflich im Wohn- und Pflegeheim, im Krankenhaus und im Palliativteam unsere Kranken und Sterbenden begleiten.

An dieser Stelle auch ein Vergelts Gott an alle, die mitwirken, dass die Begräbniskultur in unserem Land so wertschätzend und hilfreich ist. Wir haben hier einen Schatz, der die Verstorbenen würdigt und den Hinterbliebenen hilft.

 

Tod des Hl. Franziskus

Ich möchte zum Abschluss noch vom Sterben des Hl. Franziskus erzählen,

Ich tue dies, weil es heuer genau 800 Jahre sind. Er starb am 3. Oktober 1226.

Ich tue es auch, weil wir hier sehen, wie jemand im Sterben noch etwas tun konnte, was ganz typisch für ihn oder sie ist.

Der Hl. Franziskus war in den letzten Jahren schwer krank, unter anderem litt er an einem Augenleiden. Er sah fast nichts mehr, konnte das Licht nicht ertragen und hatte große Schmerzen.

Als Schwerkranker verbrachte er die letzten Wochen im Bischofspalast in Assisi.

Er ahnte dann, dass er bald sterben würde und wünschte, von der Stadt Assisi hinunter ins Tal nach Porciuncula gebracht zu werden.

Beim Hinuntertragen ließ er an einer markanten Stelle – ganz in der Nähe der Häuser für die Aussätzigen – Halt machen. Von der Tragbahre aus segnete er seine Stadt.

In Portiuncula angekommen versammelte er die Franziskanerbrüder rings um sich. Sie lasen gemeinsam das Johannesevangelium.

Dann ließ Franziskus Brot bringen. Alle teilten es miteinander.

Franziskus ließ sich mit Asche bestreuen und nackt auf den Boden legen. „Von der Erde bin ich gekommen, zur Erde kehre ich zurück.“

Anschließend beteten alle gemeinsam den Psalm 142: „Mit lauter Stimme schrei ich zum Herrn, laut flehe ich zum Herrn um Gnade.“

Natürlich durfte auch der Sonnengesang nicht fehlen, jenes große Loblied des Heiligen auf die Schöpfung und besonders die beiden letzten Strophen:

Die Strophe vom Verzeihen:

Gelobt seist Du, mein Herr, für alle, die verzeihen aus Liebe zu Dir,

und Krankheit und Not ertragen,

Selig, die im Frieden ausharren.

Denn durch Dich, Höchster, werden sie gekrönt.

Und die Strophe vom Bruder Tod:

Gelobt seist Du, mein Herr, für unsere Schwester, den leiblichen Tod.

Kein lebender Mensch kann ihr entrinnen.

Wehe denen, die sterben in schwerer Sünde!

Selig, die sich Deinem heiligsten Willen fügen,

denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn,

dankt ihm und dient Ihm mit großer Demut.

Bevor Franziskus gang bewusst sterben konnte, segnete er noch die anwesenden Franziskanerbrüder und sprach den Segen auch für alle aus, die auf der ganzen Welt verstreut sind.

Dann starb er am Abend des 3. Oktobers 1226, genau vor 800 Jahren.

 

Liebe Besucher und Besucherinnen heute am Friedhof.

Ich habe heute viel von den wertvollen Stunden rings ums Sterben erzählt.

Sie sind nicht leicht, aber sie helfen uns, die Einzigartigkeit des Lebens zu schätzen.

Mögen wir alle unsere Zeit gut nützen und auch die Stunden des Sterbens.

Details
  • Date: 1. November 2026
  • Preacher:
  • Passage: Matthäus 5,1-11