Predigt Narzissmus und Maria. Hoherfrauentag 2026
Description
Predigt Narzissmus und Maria. 15. August 2026
Evangelium Lukas 1,39-56
Kennst du die Erzählung der griechischen Mythologie vom Jüngling Narziss. Dieser ist ein schöner junger Mann, der an eine Quelle kommt und dort im ruhigen Wasser sein Spiegelbild sieht. Er ist sofort in sein eigenes Spiegelbild verliebt und betrachtet es unermüdlich. Er kommt nicht mehr los. Zuletzt versucht er sein schönes Spiegelbild zu ergreifen, fällt dabei ins Wasser und stirbt.
Von dieser Mythologie kommt der Ausdruck Narzissmus. Man versteht unter Narzissten jene Menschen,
bei denen sich fast alles um sie selbst dreht.
Sie haben ein hohes Bedürfnis nach Bewunderung und einen Mangel an Einfühlungsvermögen, da sie alles nur aus ihrer Perspektive sehen.
Sie nutzen andere für ihre Zwecke aus.
Narzisstische Menschen wirken entweder überheblich und wichtigtuerisch oder schüchtern und verletzlich, da sie aufgrund ihres tiefsitzenden Bedürfnisses nach Bestätigung unter Minderwertigkeitskomplexen leiden.
Die unendliche Würde, die wir von Gott schon vor jeder Leistung haben, ist für narzisstische Menschen leider kaum spürbar und somit kein Trost und Beweis ihrer Würde ohne jede Leistung.
Im Blick auf die große Weltpolitik, aber auch unsere Gesellschaft fallen mir einige Menschen ein, die narzisstische Züge haben.
Manche Forscher sagen, dass Narzissmus in den letzten Jahren sehr stark zugenommen hat. Ich befürchte, dass dies stimmt.
Maria als Gegenteil von einem narzisstischen Menschen
Und was hat das alles mit der Gottesmutter Maria zu tun und mit dem heutigen Fest, das in Tirol so liebevoll „Hoher Frauentag“ genannt wird? Eines ist für mich klar: Die Gottesmutter Maria war alles andere als ein narzisstischer Mensch.
Sie hatte eine große innere Freiheit.
Sie hat niemanden für ihren Vorteil verzweckt.
Sie sagte ohne Hintergedanken ja.
Maria konnte wirklich dienen und wurde so zur großen Hilfe für die ganze Menschheit. Das zeigt sich wunderbar im heutigen Evangelium. Drei Elemente vom Evangelium sollen dies verdeutlichen:
Maria kommt zu ihrer Verwandten Elisabeth, um ihr die Nähe zu zeigen und der hochschwangeren Elisabeth zu helfen. Sie bleibt drei Monate bei ihr, dass ist die restliche Zeit bis zur Geburt von Johannes.
Wir sehen: Der Blick Marias richtet sich nicht narzisstische und selbstverliebt nur auf ihre Fähigkeiten und Sorgen, sondern auf Elisabeth. Maria kommt nicht zu Elisabeth, um bewundert oder bemitleidet zu werden, sondern um zu helfen.
Auch das Gebet Marias ist kein Selbstlob oder Kreisen um sich selbst.
Sie lobt Gott und das Handeln Gottes im berühmten Gebet: Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan / und sein Name ist heilig.
Wäre Maria eine Narzisstin, würde sie wie der Zöllner im Tempel zu sich selbst beten (Lk 18,11) uns sagen: Schau, sogar Gott braucht mich notwendig. Ich bin so wichtig. Kein Wunder, dass ich berühmt werde. Nicht ohne Grund hat Gott gerade mich auserwählt.
Maria ist nicht zuletzt offen für die großen Zusammenhänge der Welt.
Sie ist nicht nur mit sich selbst beschäftigt so ganz nach dem Motto. „Die Hauptsache mir geht’s gut.“ So kann Maria voll Vertrauen und Dankbarkeit beten: Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben / und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an / und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, / Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
Wunderbar, dass wir am 15. August ihr zu Ehren den Hohen Frauentag feiern. Mit Maria dürfen auch wir singen und danken und uns freuen: Meine Seele preist die Größe des Herrn. Mein Geist jubelt über Gott meinen Retter.
Details
- Date: 14. August 2026
- Passage: Lukas 1,39-56