Predigt Zur Freiheit hat uns Christus befreit
Description
Predigt Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Monatswallfahrt Lavant Oktober 2026; Lesung: Galaterbrief 5,1-6
Zur Freiheit hat uns Christus befreit. (Galaterbrief 5,1.) Wir hören in diesen Tagen als Lesung Worte des Apostels Paulus aus dem Galaterbrief. Der Brief gehört zu den ältesten Teilen des neuen Testamentes, er enthält auch viel Persönliches über den Apostel Paulus.
Der große Satz Zur Freiheit hat uns Christus befreit hat mich angeregt, heute einige markante Sachen zum Völkerapostel Paulus sagen. Ich werde einfach das Wort Paulus buchstabieren und einige Frage an uns richten.
P wie Predigt
Paulus reiste tausende Kilometer zu Fuß, auf Tieren oder mit dem Schiff, um überall von Jesus zu erzählen.In Städten, in denen eine Synagoge war, ging er immer zuerst in die Synagoge und predigte dort vor den Juden. Für seine Predigt scheute er auch öffentliche Plätze nicht; so seine berühmte Predigt am Areopag in Athen.
„Ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes zur Rettung für jeden.“ (Röm 1,16-17) ist die Motivation, warum er das tut. Paulus rühmt sich nicht, ein feuriger Prediger zu sein, er betont sogar, dass er in Schwachheit kommt. Aber eines ist klar: Er entschuldigt sich nicht ständig, ein Christ zu sein, ganz im Gegenteil, er ist stolz darauf.
Im Blick auf heute frage ich mich manchmal:
Wie mutig verkündigen wir heute unseren Glauben und geben Zeugnis davon? Die Frage betrifft nicht in erster Linie uns Priester, sondern alle: Die Eltern, die Lehrer:innen, die Nachbarschaft, die Arbeitsstelle.
Ganz konkret: Rede ich mit anderen Leuten nur über Kleider, Mode, Essen und Sport oder auch über den Glauben? Lasse ich das Tischgebet ausfallen, wenn z.B. ein Gast da ist?
A wie Auferstandener
Auf dem Weg nach Damaskus werden für Paulus zwei Sachen Gewissheit: Den Auferstandenen gibt es wirklich, er lebt wirklich, er ist mir ja erschienen: Vorher sagt er ja: Jemand der am Kreuz als Verbrecher gestorben ist, kann nicht der Messias sein.
Der Auferstandene begegnet mit besonders in den Ärmsten: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? … Wer bist du, Herr? … Ich bin Jesus, den du verfolgst (Apg 9)
Bei der Auferstehung geht es nicht um Randdiskussionen unseres Glaubens, sondern um die zentrale Botschaft unseres Glaubens. So meine Frage:
Glaubst du an die Auferstehung? Hat sie Folgen für dein Leben, im Umgang mit dem Tod, mit der Freude, mit Versöhnung, mit der Lebensausrichtung?
Karl Barth – ein Schweizer Theologe – sagte einmal: Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr mit einem tragischen Gesicht herumlaufen und die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat.
U wie umsonst
Paulus redet immer wieder von der Gnade Gottes, die uns geschenkt ist. Gnade kann man übersetzen mit Geschenk Gottes vor jeder Leistung oder mit „umsonst“. Gott liebt uns ohne Vorleistung, damit wir frei durch diese Liebe viel Gutes tun können. Das falsche Gegenteil davon wäre: Wir tun Gutes, damit uns Gott liebt oder wir uns seine Liebe erkaufen können.
Wenn Paulus gerade im Galaterbrief so oft gegen das Gesetz schimpft, dann meint er eine Gesetzesfrömmigkeit, die sich die Liebe Gottes erkaufen will.
Frage: Ist die frohe Botschaft von der Gnade Gottes für mich eine Hilfe und eine Stärkung des Selbstbewusstseins oder nur leeres Gerede oder Anlass faul zu sein?
Gönne ich meinem Nachbarn, dass ihm etwas geschenkt wird?
L wie Lydia
Bei der Millionenshow war vor ca. 20 Jahren die Frage: Wie heißt die erste bekannte Christin Europas: Es ist Lydia, eine reiche Purpurhändlerin, die ursprünglich aus Thyatira stammt. Mit ihrem ganzen Haus wird sie Christin.Lydia, di erste namentlich bekannte Christin Europas, ist für mich ein Beispiel für eine Person, die Verantwortung übernimmt:
„Wer hält heute die Messe?“ Diese Frage bedeutet bei uns: „Welcher Priester steht der eucharistischen Feier vor?“ Paulus hätte geantwortet: „Die ganze Gemeinde feiert die Messe.“ Für ihn bedeutet die Mitfeier des Gottesdienstes nicht, wie Besucher eines Theaterstückes in die Kirche zu gehen und zuzuschauen und zu hören, was dem zelebrierenden Priester wohl alles zur Gestaltung eingefallen ist und am liebsten darüber zu schimpfen. Nein, es heißt, sich selbst und sein Leben ganz und gar in dieses Geschehen einzubringen.
Frage: Wie steht es mit dem Christentum heute in Europa?
Wo übernehme ich Verantwortung in meinem Bereich, im Dorf, in der Pfarre?
U wie Unterscheidung der Geister
Es ist nicht immer leicht zu wissen, was richtig und was falsch ist. Das war auch schon zur Zeit des Apostels Paulus so. Paulus richtet auch heute in der Lesung den Blick auf das Wesentliche: Denn in Christus Jesus vermag weder die Beschneidung noch die Unbeschnittenheit etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe wirkt.
Der Apostel Paulus schaut auf die Wurzeln und Folgen unseres Handelns und zeigt einige wichtige Kriterien auf:
Was führt zur Freiheit und was zu neuer Sklaverei?
Was führt zu innerem Frieden?
In der morgigen Lesung Galaterbrief 5,19-23 zählt Paulus genau auf, was von Gott kommt und was nicht: Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid, maßloses Trinken und Essen und Ähnliches mehr. Ich sage euch voraus, wie ich es früher vorausgesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben. Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit; gegen all das ist das Gesetz nicht.
S wie Saulus-Paulus
Vor Damaskus begegnet dem Christenverfolger Saulus der Auferstandene und ändert sein Leben. Die Bezeichnung „Bekehrung“ des Paulus ist eigentlich falsch, besser ist „Berufung“ des Saulus. Paulus war auch vorher ein gläubiger Mensch. Was hat sich vor Damaskus geändert. Ab jetzt definiert sich Paulus nicht mehr über seine Leistung. Ab jetzt kann er umso mehr leisten, weil er innerlich frei ist. Zur Freiheit hat uns Christus befreit. (
Frage: Traue ich Gott zu, dass sich in meinem Leben etwas ändert? Traue ich mir zu, dass ich etwas ändern kann?
Ist Wandlung möglich? Will ich Wandlung überhaupt?
Details
- Date: 14. Oktober 2026
- Preacher: Franz Troyer
- Passage: Galater 5,1-6